SOLID 07+08/2021

Neue Umdasch Group- und Doka-Führung will „von Kompetenzfeldern ausgehend verbreitern“

Seit 1. Juli haben die Umdasch Group mit Wolfgang Litzlbauer und ihre größte Tochter Doka mit Robert Hauser neue CEOs. Wir trafen beide zum Exklusivgespräch im Headquarter in Amstetten.

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Der neue Umdasch Group CEO Wolfgang Litzlbauer (mitte) und der neue Doka-Chef Robert Hauser (links) im Gespräch mit Solid-Chefredakteur Thomas Pöll

SOLID: In der Aussendung, in der Sie als kommender Umdasch-CEO angekündigt worden sind, stand zu lesen: das wäre jetzt der Generationenwechsel. Ihr Vorgänger als CEO, Andreas Ludwig, ist etwas über 60, Sie etwas über 50. Ist das wirklich so ein großer Wechsel?

Wolfgang Litzlbauer: Wenn wir über Generationenwechsel sprechen, geht es da meines Erachtens gar nicht so um die Unterscheidung der Rollen und Personen von Andreas Ludwig, sondern eher darum, dass die Eigentümer, die Geschwister Umdasch – die ja noch immer höchst engagiert im Unternehmen sind – ihre Interessen als Unternehmer ganz in ihrem Sinne vertreten wissen, auch wenn Sie sich aus ihren aktiven Rollen zurückziehen.

Ihnen ist ganz wichtig, dass das Unternehmen einerseits zusammen und bestehen bleibt, aber eben nicht nur verwaltet wird, sondern in dem Spirit weitergeht, in dem die Umdasch Gruppe über 150 Jahre groß geworden ist.

White Paper zum Thema

Finden Sie HIER die am 30.6.2021 veröffentlichten Zahlen der Umdasch Group aus dem Jahr 2020

Dafür haben sie sich einen Unternehmer gewünscht, der aus der Industrie kommt, einen entsprechenden Track Record hat, sehr international ist und dem sie vertrauen, einen globalen Konzern weiterentwickeln zu können – und der auch von der Mentalität und der Kultur gut kompatibel mit der Umdasch-DNA ist.

Man muss den Generationenwechsel also eher in dem Sinn verstehen, dass die Eigentümer sichergestellt haben wollen, dass es in ihrem Sinne längerfristig auch so weitergeht.

Steht schon etwas Konkretes auf ihren Fahnen oder führen sie eigentlich weiter?

Litzlbauer: Ja und Nein. Natürlich soll es hier gut weitergehen und es gibt ja eine gute Basis, auf der man aufbauen kann. Gleichzeitig ist es schon so, dass wir uns vorgenommen haben, in Zukunft die Stärke der Gruppe maßgeblich in den Vordergrund zu stellen. Die Gruppe soll als Ganzes profitabel weiterwachsen und die Gruppenstärke jeder Division zugutekommen, damit die drei Divisionen (Doka, The Store Makers und Umdasch Group Ventures, Anm.) auch ihr volles Potenzial nachhaltig ausschöpfen können.

Die Doka ist und bleibt das große und starke Leitbusiness, aber auch sie wird davon profitieren können, was die Store Makers und die Ventures einbringen.

Wolfgang, Litzlbauer, Umdasch © Umdasch Group

Wolfgang Litzlbauer war bereits einige Jahren im Aufsichtsrat der Umdasch Group, als sich in seinem früheren Job bei der Miba AG die Frage stellte, wie die Karriere weitergehen sollte. „Schweren Herzens aus der Emotion, aber rational überlegt gab es für mich nur mehr die Chance, formell die Nummer Eins zu werden. Als die Familie Umdasch davon erfahren hat, haben sie nicht mehr locker gelassen.“

Wo steht die Ventures mit ihren Firmen Contakt und Neulandt?

Litzlbauer: In der Ventures gibt es und wird es auch noch andere Projekte geben – aber der wesentliche gemeinsame Treiber ist die Digitalisierung. Und es gibt übergreifend den ganz großen Trend der Ressourcenschonung und der Nachhaltigkeit. Da geht es etwa ganz stark um die Reduktion von Transport.

Die Ventures soll ja der Nukleus bleiben, wo Startups entstehen können – und wenn sich mehr materialisiert, können das auch eigenständige Divisionen werden.

Wie funktionieren Wissenstransfer und gegenseitiger Erkenntnisgewinn? Das ist ja ein oftmals unterschätztes Thema in fast allen größeren Firmen.

Litzlbauer: Das ist nicht nur eine berechtigte, sondern möglicherweise die zentrale Frage. Wir haben da lange überlegt und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir uns als Management-Team der Umdasch Gruppe konstituieren. Das bedeutet konkret, dass es einen Zweier-Vorstand in der AG geben wird mit einem CEO und einem CFO und dass die Divisionen in ihrer vollen Verantwortung von den jeweiligen CEOs geführt werden. Und dann ist es so, dass die jeweiligen Divisionsschefs, also die CEOs und ich das Umdasch Group Executive Board bilden. Das ist keine legistische Struktur, aber es ist ein Team, das zwar aus den einzelnen Divisionen kommt, bei dem die Leiter aus den Divisionen aber einen anderen Hut aufsetzen und Group denken. Wir haben dafür schon die Rules of Engagement festgelegt und ich bin zuversichtlich, dass das ein tolles Modell wird.

Früher hieß ja die Ventures Doka Ventures, vor zwei oder drei Jahren wurde sie in Umdasch Group Ventures umbenannt. War das bereits der Vorbote? Denn vom Markennamen war das ja aufgrund der Bekanntheit von Doka ein Verlust.

Litzlbauer: Ja, aufgrund der Größe steht das außer Frage. Aber ich möchte dazu auch sagen, dass etwa die Store Makers in ihrem Kundenkreis auch eine tolle Reputation haben und sehr bekannt sind. Unser Ansatz ist, den gemeinsamen Nenner zu suchen. Der liegt sicher in der Umdasch Group und da wird es vielleicht in Zukunft mehr zu erzählen geben.