Flughäfen

Neubau, Sanierung, Modernisierung – der Flughafen Wien will endlich fünf Sterne

Der Flughafen Wien will im aktuellen Masterplan einiges anders machen als damals im Fall Syklink – und eine halbe Milliarden Euro in eine Großbaustelle stecken. Was damit zusammenhängt, wer davon profitieren wird und welchen Weg Wien-Schwechat bisher gegangen ist, lesen Sie hier.

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Als der Skylink am Flughafen Wien-Schwechat damals in Schwarz, Weiß und Grau designt wurde, gingen der Farbwahl große psychologische Überlegungen voraus. Die Menschen würden selbst Farbe in den Terminal bringen, zu viele bunte Einflüsse von außen könnten sie stressen. 

Trotzdem wurde es dann noch so richtig stressig und heute erinnert sich noch jeder an den Bauskandal um den Skylink. Der Name wurde denn auch abgelegt, in der Hoffnung, alle negativen Konnotationen mit ihm abzulegen, und heute sagt man einfach nur mehr Terminal 3 zu ihm.

Aber eine gute Sache sollte das Debakel bringen, das Medien damals als „beispiellose Misswirtschaft“ und „die schwerste Krise“ des Flughafens bezeichneten – den Lernfaktor für alle künftigen Projekte in Schwechat.

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Und tatsächlich wird beim aktuellen Bauvorhaben einiges anders laufen als damals. Vor wenigen Tagen gaben die Flughafen-Vorstände Julian Jäger und Günther Ofner bekannt, dass der alte Terminal 2 und der Pier Ost umfassend modernisiert werden sollen. Zusätzlich wird eine neue Süderweiterung gebaut um den Terminal 3 besser anzubinden. Die Ausbauten werden mit insgesamt 500 Millionen Euro beziffert und sollen 2023 abgeschlossen sein. Die Gelder seien aus dem Cash-flow aufwendbar. 

Sie sind Teil des Masterplans 2020, der insgesamt Investitionen von fünf Milliarden Euro vorsieht und in dem auch der Bau der dritten Piste enthalten ist. Der Skylink war noch Teil des Masterplans 2015. Was diesmal anders gemacht wird, beginnt schon bei der Bauabteilung. Für die neuen Vorhaben werden die Experten selber bestellt und eine Tochtergesellschaft des Flughafens wird den Bau organisieren. Im Baubeirat werden sitzen Norbert Steiner, der schon Projektleiter während des Skylink-Projektes war, Florian Fischer, der den Flughafen München mitgeplant hat, und Georg Michael Vavrovsky vom Board der ÖBB Infrastruktur. Er habe schon „30 Milliarden Euro verbaut“, ohne dass je etwas schiefgegangen sei.

Cash-Flow für Masterplan

Ein weiteres wichtiges Bekenntnis: Wenn die Planungsphase abgeschlossen ist – sie wird zwischen 18 und 24 Monaten dauern und hat ein Budget von 39 Millionen Euro –, gibt es keine Änderungen mehr. Ausschreibungen für das Design gibt es auch nicht. Im Rahmen des Skylink-Projektes wurden noch nach Freigabe der Pläne verschiedene Flächen verkleinert – was später negativ auffiel.

Was sollen die neuen Projekte für die Passagiere und für die Flughafen-Betreiber selbst bringen? Der Vorstand hofft, durch den Umbau den fünften Stern in der Bewertung von Skytrax zu bekommen. Die britische Unternehmensberatung vergibt seit 1990 Auszeichnungen gemäß der Qualität der Flughäfen. Wien hat derzeit einen „4-Star-Airport“ – da geht also noch was.

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Auch die Einnahmen sollen steigen. Durch den Ausbau werden 10.000 Quadratmeter zu den derzeit 20.000 Quadratmetern an Shopping- und Gastrofläche hinzukommen. Die Einnahmen durch diese liegt derzeit bei 45 Millionen Euro pro Jahr, was etwa zwei Euro pro Passagier entspricht. Dieser Betrag soll auf drei Euro steigen. 

Liegt der fünfte Stern in der Süderweiterung?

2025 sollen in den Shops und Gastronomieeinrichtungen schon 50 Millionen Euro eingenommen werden. Sie werden in einem insgesamt 70.000 Quadratmeter großen Gebäude der Süderweiterung untergebracht sein. Dieser Teil der Investitionen macht wohl den wichtigsten Teil des bevorstehenden Projektes aus. Der Fokus soll auf österreichischen Marken und der heimischen Küche liegen. Nächstes Jahr werden dafür mittels Ausschreibung die Partner dafür gesucht.

Aber auch wenn die Passagiere nichts konsumieren und kaufen, sollen sie die Süderweiterung positiv zu spüren bekommen. Es wird mehr Aufenthaltsbereiche, mehr Kinderspielflächen und Gebetsräume geben. Außerdem soll der Transfer zwischen den Gates F, G und D sehr viel leichter gestaltet werden – erstens durch eine bessere Verbindung, zweitens durch ein verbessertes Sicherheitsmanagement.

© Austria-max, CC BY-SA 3.0, https://de.wikipedia.org/wiki/Flughafen_Wien-Schwechat#/media/Datei:Skylink_interior.jpg

Schwarz, Weiß und Grau - der Skylink soll dank seiner Farbwahl nicht stressen. 

Denn die dezentralen Sicherheitschecks bei den Gates B, C und D werden abgeschafft. Stattdessen werden zwei zentrale Sicherheitskontrollen geschaffen, eine im modernisierten Terminal 2, die andere im neuen Gebäude der Süderweiterung. Hinter den Sicherheitschecks können sich die Passagiere dann zwischen den Terminals frei bewegen, was Transfers beschleunigt und vereinfacht. Im Endeffekt könnte der Flughafen-Alltag so sehr viel effizienter gestaltet werden.

Etwa Mitte 2020 sollen die Bauarbeiten für die Süderweiterung beginnen und bereits 2023 soll sie in Betrieb gehen. Bis dahin herrscht Großbaustelle, die – wie auch die Vorstände zugeben – auf jeden Fall spürbar sein wird. Auch die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner von der ÖVP meldete sich zum Projekt zu Wort: Die Investitionen seien für die langfristige Absicherung der Drehscheibe Flughafen-Wien und einen der „wichtigsten Arbeitgeber“ für Österreichs Ostregion notwendig. 

Drei statt zwei Euro pro Passagier

Der Flughafen ist tatsächlich ein wichtiger Knotenpunkt für Flüge nach Osteuropa und in den Nahen und Mittleren Osten. Letztes Jahr verband er 74 Fluggesellschaften mit 205 Zielen in 71 Ländern. Für derzeit sechs Airlines ist er der Heimatflughafen. Wurden 2016 von Frankfurt 30 Ziele in Osteuropa angeflogen, waren es von Wien-Schwechat 34. 

Seit der EU-Erweiterung 2004 sind die Passagierzahlen und Frachtmengen stark gestiegen, viele Logistikbetriebe siedelten sich an. 1999 waren es noch elf Millionen Fluggäste, 2011 bereits 22 Millionen. 2018 waren es übe 30 Millionen. Und dieses Jahr wurden zwischen Jänner und Juni schon über 18 Millionen Passagiere gezählt. 

Aufgrund dieser Zuwächse und auch Prognosen wurde damals auch der Masterplan 2015 geschmiedet. Neue Parkbereiche wurden in den frühen Nullerjahren geschaffen, 2003 der Flughafenbahnhof ausgebaut, bis 2007 der Office Park errichtet. Es folgten eine Kapazitätserweiterung durch den neuen Terminal 1A und der mit 109 Metern höchste Flugsicherungstower Europas. 

2006 wurde dann der Grundstein für den Skylink gelegt. Er würde in den folgenden sechs Jahren noch mehrfach negativ in den Schlagzeilen auftauchen – durch massive Verzögerungen und sogar einen Baustopp, eine Verdoppelung der Baukosten auf 800 Millionen Euro und Mängeln in mehreren Bereichen, die noch nach Fertigstellung 2012 festgestellt wurden. Er ersetzte aber auch den alten Ankunftsbereich und verdoppelte die Terminalfläche. 

Noch bevor 2023 die Süderweiterung in Betrieb gehen wird, wird am Flughafen Wien aber schon nächstes Jahr die Gebäudeinfrastruktur des Terminal 2 – 1960 errichtet, ist er der älteste am Gelände – modernisiert sein. Dafür werden Böden und Beleuchtung ausgewechselt, das Dach saniert und eine neue Gepäckausgabe geschaffen.

Alles insgesamt sollen die Investitionen den Flughafen für bis 40 Millionen Passagieren jährlich fit machen. Eine eigene Umweltverträglichkeitsprüfung wie etwa bei der dritten Piste werde nicht nötig sein, meinen die Vorstände. Mit der dritten Piste gebe es ja auch keinen Zusammenhang. 

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