Frauen am Bau

Karl-Heinz Strauss, Porr: ""Weil es nicht genug Männer gibt"

Die Chefs der Top-Five-Bauunternehmen Österreichs im Interview zu Frauenanteil und -strategie in ihren Firmen.

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SOLID: Wie zufrieden sind Sie mit dem Frauenanteil bei der Porr?

Karl-Heinz Strauss: Im technischen Teil sind Frauen viel zu sehr in der Minderzahl. Das führe ich auf mehrere Faktoren zurück. Der erste ist natürlich - und wir reden hier von Projektleiter-, Polier- und ähnlichen Funktionen -, dass viele Damen vor der Technik zurück schrecken. Das nächste Thema: das Baugeschäft ist ein sehr mobiles Geschäft. Die Baustelle ist oft nicht vor der Haustüre, das bevorzugt schon Männer. Und das dritte ist: Bauen ist einfach eine alte Männerdomäne, wovor Frauen manchmal eine Scheu haben.

Das sind unterschiedliche Aspekte - bei welchem kann man was tun?

Strauss: Die Porr geht neue Wege, es geht um Work und Life at Porr. Wir müssen in der Lage sein, Zwänge aus dem Projektgeschäft mit berechtigten Anliegen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie Familie, Gesundheit etc. in Einklang zu bringen. Nur wenn wir das schaffen, sind die Menschen langfristig leistungs- und einsatzbereit und nutzen damit dem Unternehmen am meisten.

Hinter jedem und jeder am Bau Beschäftigten muss eine starke Familie oder ein starker Partner stehen, weil das Projektgeschäft eben Zwänge kennt, denen man nicht ausweichen kann. Aber wir haben auch Eltern-Kind-Büros, wenn es einmal nicht möglich ist, das Kind zu Hause zu betreuen. Flying Nannys für späte Besprechungen etc.

Warum wollen Sie eigentlich mehr Frauen im Betrieb?

Ein Grund ist, weil es nicht genug Männer gibt. Bei dem beschränkten Output, den die technischen Ausbildungsstätten nun einmal haben, ist unsere einzige Chance in der Porr, den Frauenanteil drastisch zu erhöhen.

Wenn Frauen auf der Baustelle sind, ist außerdem der Ton schon ein anderer. Frauen sind auch sehr detailverliebt - auch wenn ich jetzt nicht ein Klischee durch ein anderes ersetzen will. Ich bin einfach der Meinung, dass gerade die Kombination Männer und Frauen sehr gut ist. Das schöne ist das Miteinander.

Wie wollen Sie das erreichen?

Strauss: Durch bewusste Förderung, aber nicht Bevorzugung. Das ist eine Regel in der Porr. Und man muss früh beginnen, die Angst vor Technik und Bau zu nehmen. Ich habe selbst erlebt, dasss eine Betriebswirtschaftstudentin bei uns ein Praktikum gemacht hat und dabei auf eine Baustelle gekommen ist. Sie hat im Spezialtiefbau ein paar Berechnungen gemacht, die unmittelbar draußen umgesetzt worden sind, und ist dann zu mir gekommen und hat gesagt: wenn ich das früher gewusst hätte, hätte ich nicht Betriebswirtschaft studiert!

Es geht um diese Aha-Erlebnisse. Die meisten verbinden Bau ja mit schwerer manueller Arbeit - aber es gibt genug Themen am Bau, wo das gar kein Thema ist."

Gibt es bei Ihnen eigene Frauenförderungs-Veranstaltungen?

Strauss: Wir haben die Initiative Woman@porr. Aber ich glaube: die Frauen sollen nicht nur untereinander darüber reden, sondern auch aus ihren Zirkeln hinaus gehen und sagen, was sie möchten. Wir haben daher parallel einen sogenannten Tisch der Vielfalt, wo Themen, die die Gleichstellung betreffen, im Mix diskutiert werden. Ziel ist, das reine Frauennetzwerk gar nicht so zu brauchen. An diesem Tisch der Vielfalt sitzen viele Ebenen, Kulturen und Altersgruppen, nicht nur Männer und Frauen.

Was sagen Sie zur verpflichtenden Aufsichtsratsquote von 30 Prozent?

Strauss: Da habe ich zwei Herzen in meiner Brust. Ich bin prinzipiell gegen jede Art von Reglementierungen, weil ich davon überzeugt bin, dass sich das Beste so oder so durchsetzen wird. Ich muss aber in diesem speziellen Fall auch anerkennen, dass der erste Schub ohne eine Reglementierung nicht gehen wird.

Ich glaube aber, dass sich durch eine Aufsichtsratsquote im Unternehmen nichts ändern wird, wenn das Unternehmen sich nicht generell umstellt und versucht, Frauen in Positionen zu fördern und in Führungspositionen zu bringen.

Die vollständigen Interviews und die von den Meinungen der Top-Five-Chefs teils abweichenden Ergebnisse einer SOLID-Umfrage finden Sie im ePaper von SOLID 11/2017!