Österreich

KMU-Umfrage: Unsicherheit steigt, Bau hält dagegen

Vor allem bezüglich der künftigen Entwicklung der Auftragslage sind die Unternehmen pessimistischer geworden, wie aus der Creditreform-Befragung hervorgeht. Die Baubranche trotzt dem Trend.

Creditreform Konjunktur Österreich

Nach Höchstwerten im Herbst 2018 habe die Stimmung seit dem heurigen Frühling gedreht. Die Konjunktur in Österreich habe in den vergangenen Monaten an Fahrt verloren und auch internationale Faktoren - wie die anhaltenden Handelskonflikte, der Brexit und die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) - würden die Sorgen der Unternehmer schüren. "Dazu kommen die Unsicherheiten, welche Maßnahmen nun die Politik zur Einhaltung der Pariser Klimaschutzziele tatsächlich treffen wird, Stichwort CO2-Steuer", heißt es in der Aussendung der Creditreform vom Dienstag.

All diese Faktoren schlagen sich vor allem auf die künftigen Auftragsaussichten nieder. Der von der Creditreform erhobene Erwartungssaldo hierzu rutschte im Herbst wieder in den negativen Bereich auf minus 1,9 Punkte, nach plus 13,0 Punkten im Jahr davor. Auch der Saldo für die Einschätzung der aktuellen Auftragslage hat heuer nach drei Jahren im positiven Bereich wieder ins Minus (minus 0,7 Punkte) gedreht.

Der Geschäftslageindex des österreichischen Mittelstandes hat im Vergleichszeitraum um 7,5 Zäh- ler nachgegeben und erzielte im Herbst 2019 einen Wert von plus 20,4 Punkten (Vorjahr: plus 27,9 Punkte). „Klassenprimus“ ist die Baubranche, die als einzige ihren Index verbessern konnte. Dieser erreichte dank 2,0 Zählern mehr einen Wert von plus 35,6 Punkten (Vorjahr: plus 33,6 Punkte) und liegt damit einsam an der Spitze. Aufgrund eines Minus von 16,1 Zählern gab der Geschäftslagein- dex des Verarbeitenden Gewerbes am deutlichsten nach (plus 16,7 Punkte; Vorjahr: plus 32,8 Punkte). Den niedrigsten Index aller vier Hauptwirtschaftsbereiche hatte der Handel mit plus 15,8 Punkten nach einem Rückgang um 7,3 Zähler (Vorjahr: plus 23,1 Punkte)

Auftragsentwicklung bis auf Bau rückläufig

Der Saldo aus gestiegenen und gesunkenen Aufträgen gab im Jahresverlauf ordentlich nach und landete nach drei Jahren im positiven Bereich im Herbst 2019 erstmals wieder unter der Nulllinie (minus 0,7 Prozentpunkte; Vorjahr: plus 18,4 Prozentpunkte).

So meldeten im Herbst dieses Jahres 22,4 Prozent der befragten Mittelständler (Vorjahr: 33,3 Pro- zent) vollere Auftragsbücher und 23,1 Prozent (Vorjahr: 14,9 Prozent) ein geringeres Aufragsauf- kommen. Die meisten Auftragseingänge verzeichnete die Bauwirtschaft – hier hatte jeder dritte Betrieb ein Auftragsplus (plus 34,1 Prozent; Vorjahr: 35,4 Prozent) und nur jeder neunte (11,0 Pro- zent; Vorjahr: 13,4 Prozent) ein Auftragsminus. Der Auftragssaldo der Baubranche erzielte mit plus 23,1 Prozentpunkten (Vorjahr: plus 22,0 Prozentpunkte) den absoluten Spitzenwert und die Bau- wirtschaft konnte als einzige ihr Vorjahresergebnis verbessern. In allen anderen Wirtschaftsgruppen gaben die Indizes nach und liegen – im Gegensatz zum Herbst 2018 – im negativen Bereich. Dramatisch verschlechterte sich die Auftragslage im Vergleichszeitraum beim Verarbeitenden Ge- werbe. Hatte diese Branche mit plus 30,2 Prozentpunkten im letzten Herbst noch den besten Auftragssaldo, so markiert das aktuelle Ergebnis in Höhe von minus 7,4 Prozentpunkten den niedrigsten Wert aller Wirtschaftsgruppen.

Die allgemeine Geschäftslage wird von den KMU laut Umfrageergebnis mit plus 20,4 Punkten aber weiterhin positiv bewertet, auch wenn der Index im Vergleich zum Vorjahr um 7,5 Einheiten nachgegeben hat. Auch das Klimabarometer bewegte sich weiter nach unten und liegt aktuell bei plus 17,9 Punkten, nach 25,5 Punkten im Vorjahr.

Zur Erhebung des Klimabarometers befragt die Creditreform jährlich circa 1.500 mittelständische Betriebe in Österreich. Der Index setzt sich zusammen aus den Einschätzungen der Befragten zum eigenen Betrieb, zur eigenen Branche sowie zur konjunkturellen Lage allgemein. Aus den positiven und negativen Antworten werden jeweils Salden gebildet. (red./APA)