Coronavirus

„In Tagesfrist Herausforderungen lösen, für die wir normalerweise Monate brauchen“

Swietelsky-AG-CEO Karl Weidlinger gab uns am Wochenende nach der Einigung der Sozialpartner eine Einschätzung der Lage aus der Sicht seines Unternehmens.

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Karl Weidlinger sieht große Herausforderungen, zeigt sich aber trotzdem optimistisch: „Es wird die Zeit kommen, wo uns diese gelernten Lektionen auch ein gutes Stück erfolgreicher und profitabler machen können.“

Nach den einschneidenden behördlichen Beschränkungen am Wochenende vom 9. März hatte sich für uns die Situation in Österreich ziemlich zugespitzt, weil es unter den gegebenen Umständen eigentlich nicht mehr zulässig war, den Baustellenbetrieb weiter fortzuführen.

Nachdem innerhalb weniger Tage die Rahmenbedingungen für die Kurzarbeit so geändert wurden, dass sie auch für uns anwendbar waren, haben wir uns entschlossen, keine Mitarbeiter freizusetzen und mit unserer gesamten österreichischen Belegschaft für vorerst drei Monate in das System der Kurzarbeit einzutreten.

Erst die Ergänzungen zu den geltenden Verordnungen (insbesondere die Sozialpartnervereinbarung über verpflichtende Schutzmaßnahmen vom letzten Donnerstag) schafften ausreichend Klarheit darüber, wie man mit dem Infektionsrisiko umzugehen hat und unter welchen Bedingungen am Bau gearbeitet werden darf. 

Damit ist nun auch die notwendige Rechtssicherheit für alle Beteiligten (Auftraggeber und Auftragnehmer sowie Beschäftigte) gegeben.

Gemeinsam mit unseren Bauherren evaluieren wir auf Basis dieser Erkenntnis jetzt bei allen unseren Baustellen, ob es unter diesen neuen Rahmenbedingungen möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist, den Baustellenbetrieb wieder aufzunehmen und fortzuführen. 

Natürlich sind wir uns dabei neben unserer Fürsorgepflicht unseren Mitarbeitern gegenüber auch unserer gesamtwirtschaftlichen Verantwortung bewusst und sehen es als unsere Aufgabe an, wo immer es zulässig und möglich ist in Betrieb zu bleiben.

Unserer Einschätzung nach werden wir überall dort, wo wir vorwiegend auf lokale Materialversorgung angewiesen sind und weitgehend mit eigenem Personal arbeiten – also bei großen Teilen des Infrastrukturbaus wie beispielsweise beim (Asphalt-)Straßenbau, bei Tiefbauvorhaben wie im Kanalbau oder im Gleisbau -  relativ rasch, teilweise schon diese Woche, den Betrieb aufnehmen können.

Schwieriger und unübersichtlicher ist die Situation bei komplexeren Bauprojekten (wie beispielsweise im Generalunternehmerbau, im Hochbau oder im Brückenbau), wo zum einen Lieferketten- und die Subunternehmerengpässe deutlich häufiger blockieren und zum anderen viele Leute und Firmen eng kooperieren müssen, weshalb dort der Anwendung der Schutzmaßnahmen bei Unterschreitung des 1-Meter-Abstandes noch stärkere Bedeutung zukommt.

In den nächsten Wochen und Monaten werden uns auch noch viele organisatorische Maßnahmen treffen, wie z.B. teilweise unter Quarantäne Stellungen von Baustellenpersonal, jedenfalls aber auch die Anpassung von Bauabläufen aus der Berücksichtigung der Schutzmaßnahmen, das Festhalten der wirtschaftlichen Auswirkungen und die Festlegung der Tragung dieser Mehrkosten. Wir wollen diese Thematik jedenfalls in fairer und partnerschaftlicher Weise mit Auftraggebern und Auftragnehmern abhandeln.

In unseren ausländischen Kernmärkten (Deutschland, Ungarn und Tschechien) kommt die Krise erst in den letzten Tagen in der wirtschaftlichen Realität mit teils sehr unterschiedlicher Intensität an. Welche Herausforderungen sich dort für den Baubetrieb ergeben, werden die nächsten Wochen zeigen.

Das Wirtschaftsjahr bei Swietelsky endet mit dem 31.3. Noch Ende Februar waren wir auf Kurs, das dritte Mal in Folge sowohl in der Bauleistung wie auch im Ergebnis ein Rekordjahr zu verzeichnen.

Ohne den Erfordernissen der Corona-Krise für die Jahresabschlussdarstellung vorzugreifen, sehen wir auf ein äußerst erfolgreich abgelaufenes operatives Geschäftsjahr zurück.

Unsere Prinzipien der letzten Jahre machen sich jetzt bezahlt: wir sind kapital- und liquiditätsstark, haben einen hohen Auftragspolster und sind in Sparten und in Regionen gut diversifiziert.

Vor diesem Hintergrund sehen wir trotz COVID-19 positiv in die Zukunft. 

Diese Krise zwingt uns, in Tagesfristen Herausforderungen zu lösen, für deren Bewältigung wir in normalen Zeiten mit Monaten - wenn nicht Jahren - gerechnet hätten. Darin sehen wir aber auch eine große Chance: Wir leben momentan in Prozessen und Abläufen, die das Potenzial für große Entwicklungsschritte in Richtung Digitalisierung und Mobilisierung des gesamten Unternehmens und der Bauprozesse haben. Es wird die Zeit kommen, wo uns diese gelernten Lektionen auch ein gutes Stück erfolgreicher und profitabler machen können.