Österreich

Immobilienpreise legen weiter kräftig zu

Das Thema Überbewertung wird dabei immer massiver - hier die Details dazu.

Immobilien

Immobilien machen nach wie vor große Preissprünge. Seit der Finanzkrise haben sich die Preise für Wohnimmobilien in Wien laut Oesterreichischer Nationalbank (OeNB) bereits mehr als verdoppelt, außerhalb Wiens stiegen sie seit 2008 um mehr als 80 Prozent. Heuer im dritten Quartal gab es erneut einen spürbaren Anstieg - in Wien im Jahresabstand um 7,6 Prozent, im übrigen Österreich um 1,8 Prozent.

Insgesamt legten die Immobilienpreise in Österreich im dritten Quartal 2019 um 5,2 Prozent zu - nach einem Plus von 7,3 Prozent im zweiten Quartal und von 5 Prozent im ersten Quartal, wie aus der aktuellen Immobilienmarktanalyse der OeNB von heute, Dienstag, hervorgeht. In Wien gingen die Preise heuer noch massiver nach oben - mit 9,8 Prozent im zweiten und 5,5 Prozent im ersten Quartal. 2018 kletterten die Preise österreichweit um durchschnittlich 6,9 Prozent und in Wien um 5,2 Prozent.

Auffallend stark verteuerten sich heuer gebrauchte Eigentumswohnungen - mit einer Preiserhöhung von 8,2 Prozent in Wien und von 3,8 Prozent im restlichen Bundesgebiet gab es hier "einen überdurchschnittlich starken Zuwachs", wie die Nationalbank feststellte.

Alles in allem sind die hohen Preiserhöhungen nicht von nachvollziehbaren Faktoren gedeckt: Die Nationalbank weist jedenfalls auf eine bereits sehr deutliche Überbewertung der Immobilien hin: Der Fundamentalpreisindikator der OeNB für Wohnimmobilien deute im dritten Quartal 2019 auf eine Abweichung der Preise von den Fundamentalfaktoren in Wien um 26 Prozent hin, heißt es in der vorliegenden Analyse. Österreichweit liege der Wert bei 14 Prozent.

Erschwerend hinzu kommt, dass die Dynamik beim Wohnbau, also auf der Angebotsseite, etwas nachlässt. Zwar kletterten die Wohnbauinvestitionen heuer in den ersten drei Quartalen im Schnitt noch um 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, doch im Gesamtjahr 2018 gab es hier noch ein Plus von 6,2 Prozent. Damit reagiert die Bauwirtschaft auf den "sich seit Jahren aufbauenden Nachfrageüberhang". Allerdings deutet die seit ihrem Höhepunkt im Jahr 2017 sinkende Zahl an Baubewilligungen laut Nationalbank auf "ein bevorstehendes Ende des Baubooms" hin.

Jedenfalls könne die Preisentwicklung bei Wohnimmobilien - insbesondere in Wien - in einer längerfristigen Perspektive "in zunehmendem Maße nicht durch Fundamentalfaktoren erklärt werden", so die Nationalbank weiters. Die Abweichung der Preise von diesen Faktoren sei "hoch, aber nicht weiter zunehmend".

Das Wachstum der Wohnbaukredite an private Haushalte habe sich im dritten Quartal 2019 beschleunigt und im September gegenüber dem Vorjahr 5,2 Prozent erreicht. Die Kreditrichtlinien für die Kreditaufnahme seien zwar "weiter leicht verschärft" worden, doch die Kreditzinsen sanken und lagen heuer im September mit 1,54 Prozent um 29 Basispunkte unter dem Vergleichswert ein Jahr davor.

"Die Immobilienpreise sehen wir uns sehr, sehr genau an", betonte jedenfalls OeNB-Gouverneur Robert Holzmann am Montag bei der Präsentation des Finanzmarktstabilitätsberichts in Wien. "Wir sehen derzeit keine Immobilienpreisblase", so OeNB-Vize-Gouverneur Gottfried Haber. (APA)

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