Meinung

Hier irrt Schneider

Die von uns erhobenen Zahlen - veröffentlicht im Branchenradar „Schattenwirtschaft Bauen & Wohnen in Österreich 2010“ - stehen im krassen Widerspruch zu den Berechnungen von Professor Friedrich Schneider von der Johannes Kepler Universität in Linz meint Andreas Kreutzer.

Marktforscher Andreas Kreutzer von Kreutzer, Fischer & Partner beobachtet, dass der Pfusch seit sechs Jahren sinkt.

Friedrich Schneider geht in seinem SOLID-Interview für 2009 von einem Anstieg der Schattenwirtschaft von vier Prozent aus.

Nach unseren Berechnungen sinkt jedoch der Umsatz mit Dienstleistungen für Bauen & Wohnen in der Schattenwirtschaft 2009 um minus 1,1 Prozent zum Vorjahr. Damit verringert sich der Pfusch das sechste Jahr in Folge. Die Wertschöpfung zu laufenden Preisen beläuft sich im Berichtsjahr auf 7,6 Milliarden Euro. Der Pfusch entwickelt sich damit tendenziell schlechter als die offizielle Wirtschaft. Dort stagnieren im Berichtsjahr die Erlöse im als Bezugsgröße relevanten Universum bei minus 0,2 Prozent im Vergleich zu 2008.

Zu einfaches Modell

Aus gutem Grund klaffen die beiden Berechnungen so weit auseinander. Professor Schneiders Ergebnisse stammen nicht aus empirischen Erhebungen, wie die Daten aus dem Branchenradar, sondern aus einer ökonometrischen Schätzung auf Basis makroökonomischer Kennzahlen, von Schneider selbst als MIMIC-Verfahren angegeben. Dabei wird die Entwicklung der Schattenwirtschaft in eine statistische Beziehung zur Entwicklung gewisser makroökonomischer Indikatoren gestellt.

Vereinfacht gesagt lautet die Kernthese des Modells: „Wächst die Wirtschaft und schrumpft die Arbeitslosigkeit, schrumpft der Pfusch und umgekehrt“. Schneider begründet die Modelannahme über die Verfügbarkeit von Arbeitskräften, was an und für sich kausal klingt. Arbeitslose bessern sich ihr Einkommen durch Pfusch auf. Doch Schneider legt dieses Prinzip auch auf Unternehmen um. Und dort bedeutet die These mit weniger Arbeitskräften bei schrumpfendem Markt mehr „Ohne-Rechnung-Geschäfte“. Nach unseren Erfahrungen entspricht das keineswegs der Praxis. Es ist gerade umgekehrt. Der Anteil der „Ohne-Rechnung-Geschäfte“ steigt, wenn eine bestimmte, unternehmensabhängige Umsatzgröße erreicht wird. Und die Motivation sind im Wesentlichen steuerliche Gründe.

Das Potenzial fehlt

Und verantwortlich für den Rückgang der Schattenwirtschaft ist 2009 genau dieser „gewerbliche Pfusch“. Der nicht versteuerte Umsatz von Unternehmen sinkt im Berichtsjahr um minus 6,9 Prozent auf nunmehr rund 3,8 Milliarden Euro. Offensichtlich reicht die schlechte Auftragslage nur noch, um das legale Geschäft aufrecht zu erhalten. Andernfalls würde man Verluste riskieren, was in Anbetracht der großen Anzahl von Personengesellschaften existenzielle Folgen hätte. Für „Ohne Rechnung-Geschäfte“ fehlt daher einfach das Potential. >>>

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