Kunst, Strabag, Deripaska

Hans-Peter Haselsteiner Strabag Österreich

HPH bei der Eröffnung der Tiroler Festspiele Erl - die Strabag-Vergangenheit hat er nicht abgelegt

In der Strabag förderte Haselsteiner das firmeneigene Kunstforum inklusive Sammlung und Art Award. Das Kunstforum, das er Anfang der Neunzigerjahre gegründet hat, umfasst über 2.500 Werke zeitgenössischer Malerei und Grafik. 2004 entstand im Strabag-Haus in Wien die öffentlich zugängliche Privatsammlung Gironcoli-Kristall als Dauerpräsentation.

Der rührige Wahlkärntner ist des Weiteren Hauptsponsor und Präsident der Tiroler Festspiele Erl (Bezirk Kufstein), deren Gründer und Intendant Gustav Kuhn im vergangenen Herbst abberufen wurde, nachdem dieser wegen des Vorwurfs sexueller Belästigung von Künstlerinnen ins Rampenlicht geraten war. In Erl finanzierte Haselsteiner mit 20 Mio. Euro gut die Hälfte des neuen Festspielhauses, das 2012 eröffnet wurde.

Der Unternehmer wurde am 1. Februar 1944 in Wörgl als Sohn einer Lehrerin geboren und studierte später an der Wirtschaftsuniversität Wien. Über seine Tätigkeit als Steuerberater kam er 1972 mit der Oberkärntner Baufirma Isola & Lerchbaumer (Ilbau AG) in Berührung. Der Tiroler heiratete die Tochter des Hauses, Ulrike, und übernahm nach dem Tod des Schwiegervaters die Firmenleitung. Im Laufe von drei Jahrzehnten baute der Wirtschaftstreibende, der sich privat auch für Heliskiing begeistert, das mittelständische Unternehmen mit Sitz in Spittal an der Drau in einen der größten europäischen Baukonzerne um, der 2017 eine Bauleistung von fast 15 Mrd. Euro und unterm Strich einen Gewinn von knapp 280 Mio. Euro auswies.

Im Oktober 2010 brachte Haselsteiner den Bauriesen als Strabag SE ein zweites Mal an die Wiener Börse, nachdem die Bauholding-Strabag dem Börsenparkett erst wenige Jahre davor (2003) überraschend den Rücken gekehrt hatte. Als Begründung für den Abschied hatte es geheißen, die Börsennotiz (seit 1990) habe sich "nicht als taugliches Instrument für die Aufbringung von Eigenkapital erwiesen", zum anderen seien Akquisitionen ohne der Notierung leichter und schneller zu bewerkstelligen. Der Handel mit Strabag-Aktien war wegen des geringen Streubesitzanteils von damals nicht einmal 9 Prozent recht gebremst, die Liquidität also schlecht. Doch auch nach dem zweiten Anzapfen der Börse ist der Streubesitz mit heute 13,5 Prozent immer noch sehr klein. Den milliardenschweren Konzern dominieren einige wenige Eigentümer: Der Haselsteiner-Familie gehören 26,4 Prozent, dem im April 2007 hereingenommenen russischen Milliardär Oleg Deripaska (über dessen Rasperia Trading) 25,9 Prozent und den Gesellschaften UNIQA/Raiffeisen 27,5 Prozent der Unternehmensanteile.

Trotz des kurz zuvor erfolgten Einstiegs des (einfluss)reichen Russen, der sich das Unterfangen rund 1,2 Mrd. Euro kosten ließ und zum inneren Zirkel um Wladimir Putin gehören soll, ging die beim zweiten IPO (Initial Public Offering) lancierte Investmentstory mit Russland als einem potenziellen dritten Strabag-Hauptmarkt (neben Deutschland und Österreich) bis dato nicht auf. Die erhoffte Dimension an Bauaufträgen bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi blieb ebenfalls aus und wurde von 1 Mrd. auf 500 Mio. Euro zusammengestutzt. 2016 erzielte die Strabag in dem Land nicht einmal 1 Prozent der konzernweiten Bauleistung. Finanzkrise, Ukraine-Konflikt, westliche Handelssanktionen und der Rohölpreisverfall hatten das Ihrige dazu beigetragen. Die US-Sanktionen gegen drei russische Firmen Deripaskas, die wegen dessen Nähe zum Kreml verhängt worden waren, wurden erst vergangenes Wochenende unter dem Einfluss von Präsident Donald Trump aufgehoben.