SOLID 02/2020

Haselsteiner Junior: „Kann es mir durchaus vorstellen“

Seit 1. Jänner bekleidet Klemens Haselsteiner, Sohn von Firmengründer und Hauptaktionär Hans Peter Haselsteiner, bei der Strabag das neu geschaffene Vorstandsressort „Digitalisierung, Unternehmensentwicklung und Innovation“. Für uns nahm er sich Zeit für ein ausführliches Gespräch über seine Ziele und Ambitionen und welche Rolle sein Vater dabei spielt.

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Strabag SOLID 02/2020 Österreich Interview Klemens Haselsteiner

Über seine Ambitionen auf den Vorstandsvorsitz sagt Klemens Haselsteiner, 39: „Ich kann es mir durchaus vorstellen, aber mit Stand heute mache ich mir darüber wirklich relativ wenig Gedanken. Wenn sich die Frage einmal stellen sollte, möchte ich den Besten für den Job. Sollte es einen Besseren geben, dann soll der das machen!“

SOLID: Sie sind seit wenigen Wochen hier in Wien in der Konzernzentrale im Amt. Wie war der Start?

Klemens Haselsteiner: Wenn man ganz ehrlich ist, sind die ersten Wochen in einer neuen und in dem Fall überhaupt in einer neu geschaffenen Position immer ein bisschen ein Zurechtfinden. Aber ich bin nicht unzufrieden.

Wir machen ja in unserem großen Konzern sehr, sehr viele Dinge, die mit Digitalisierung und Innovation zu tun haben. Und da geht es einerseits darum, sich einmal einen Überblick zu verschaffen, andererseits aber muss man sich Gedanken machen, wie man das zentral so aufstellen kann, dass wir die Durchschlagskraft und die Geschwindigkeit bekommen, die wir uns wünschen.

Und wie soll man es aufstellen?

Haselsteiner: Da bin ich mitten drin. Aber man kann eines sagen: Unsere Geschäftsfelder und unsere Einheiten sind sehr unterschiedlich, wir haben auch bewusst ein Managementsystem, das den lokalen Einheiten sehr viel Freiräume lässt, weil wir glauben, dass der lokale Manager am besten weiß, wie sein Markt funktioniert. Deswegen passieren sehr viele Initiativen auch auf lokalem Level. Das Entscheidende wird sein, diese Initiativen so miteinander zu vernetzen, dass wir voneinander profitieren können. Es geht um das Forcieren eines besseren Austauschs. Und wenn etwas funktioniert hat, geht es darum, dafür zu sorgen, dass das auch besser und schneller an anderen Ecken im Konzern ankommt.

Wessen Idee war das neue Ressort und wie lange gibt es die Idee schon?

Haselsteiner: Ich weiß, dass die ersten Diskussionen zu dem Thema im Vorstand vor einem Jahr geführt worden sind – eben aus der Wahrnehmung, dass unsere Digitalisierungsaktivitäten nicht genügend koordiniert sind und es Sinn machen würde, das auf Vorstandsebene zu tun.

Der Job wurde nicht für Sie geschaffen?

Haselsteiner: Nein.

Was ist denn Ihr persönlicher Approach zu den Themen Digitalisierung und Innovation? Liest man Ihren Lebenslauf, steht da viel von Controlling.

Haselsteiner: Das ist nur ein Teil und eigentlich irreführend. Mein Ausflug ins Controlling war relativ kurz, vielleicht ein Jahr. Aber das zentrale Controlling ist für kaufmännische Tätigkeiten natürlich ein guter Startpunkt, um möglichst schnell einen Überblick zu bekommen. Kaufmännisches Controlling ist für jeden Manager ein zentrales Thema, aber wenn ich meine bald zehn Jahre im Konzern Revue passieren lasse, war ich hauptsächlich operativ tätig, sei es als Baustellenmitarbeiter, Projektleiter oder im operativen Management.

Und wie digital leben Sie privat und im beruflichen Alltag? Sie liegen ja vom Alter her zwischen Native und Immigrant. (Tablet, Netflix, Amazon?)

Haselsteiner: Auf der einen Seite versuche ich papierlos, sprich ausschließlich mit digitalen Werkzeugen, zu arbeiten. Ich lese Zeitungen am liebsten online, weil die Kommentare für mich einen gewissen Unterhaltungswert haben. Zu Hause ist das klassische Fernsehen fast komplett durch Netflix abgelöst worden.

Andererseits lese ich Bücher am liebsten analog, ich besitze keinen Facebook Account und auch Whatsapp oder Instagram gehen mehr oder weniger an mir vorbei. Für mich ist Leben hauptsächlich analog. Digitale Spielereien, die mir helfen das Leben besser zu genießen sind willkommen, aber vieles sehe ich als entbehrliche Ablenkung.

© Schrode

Bei der Digitalisierung sieht Klemens Haselsteiner das Hauptziel in vielen kleinen Dingen. „Kurzfristig ist das Hauptziel, eine Organisation aus der Taufe zu heben, die eine gewisse Geschwindigkeit erzeugen kann. Mittelfristig möchte ich mich daran messen lassen, wie viele Werkzeuge wir de facto operativ zur Anwendung bekommen.“

Welche kurz-, mittel- und langfristigen Ziele sind bei der Strabag mit Ihrem Ressort verbunden?

Haselsteiner: Kurzfristig ist das Hauptziel, eine Organisation aus der Taufe zu heben, die eine gewisse Geschwindigkeit erzeugen kann. Das allein ist eine große Herausforderung. Mittelfristig möchte ich mich daran messen lassen, wie viele Werkzeuge wir de facto operativ zur Anwendung bekommen. Wir haben sehr viele gute Ideen, die – aus welchen Gründen auch immer – in Pilotphasen hängen bleiben oder nicht so schnell operativ angewendet werden, wie man sich das wünscht. Damit wir das schaffen, werden wir ganz klar priorisieren müssen. Wenn man alles es ein bisschen macht, wird man nie so gut, als wenn man sich auf einige Sachen konzentriert.

Welche Sachen sind das?

Haselsteiner: Leider kann ich Ihnen das noch nicht genau sagen. Aber ohne hellsehen zu wollen, ist das Thema BIM bzw. BIM 5D® für uns ganz zentral. Da sind wir natürlich nicht die einzigen, aber wir glauben mittelfristig an eine enorme Produktivitätssteigerung.