Infrastruktur

Große Mehrheit der Bevölkerung gegen Tunnelprojekte

Für 74 Prozent der Österreicher sind die Kosten für laufende und geplante Tunnelprojekte nicht gerechtfertigt. Am größten ist die Ablehnung in Oberösterreich und Salzburg. Den Brennerbasistunnel, den Koralm- und Semmeringtunnel befürworten 21 Prozent.

Österreich

Der Großteil der österreichischen Bevölkerung ist gegen die derzeit geplanten Ausgaben für Tunnelprojekte wie den Brennerbasistunnel, den Koralmtunnel und den Semmeringtunnel. Das geht aus einer vom Gallup-Institut im Auftrag des Transitforum Austria-Tirol durchgeführten österreichweiten Befragung hervor.

Auf die Frage, ob sie es für gerechtfertigt halten, dass in den kommenden Jahren bis zu 50 Milliarden Euro für diese Projekte ausgegeben werden, antworteten 74 Prozent mit Nein. Dafür waren 21 Prozent. Befragt wurden 500 Personen.

Am größten war die Ablehnung mit 82 Prozent in den Bundesländern Oberösterreich und Salzburg, am geringsten, aber immer noch deutlich, fiel das Nein mit 67 Prozent in Tirol und Vorarlberg aus, 29 Prozent waren dafür.

In Niederösterreich und dem Burgenland standen 73 Prozent der Befragten Ausgaben in dieser Größenordnung ablehnend gegenüber, in der Steiermark und Kärnten 70 Prozent, in Wien waren es 71 Prozent.

Auffällig wenige Unentschlossene

"Die Leute haben sehr genau gesehen, dass die Politik falsch investiert", interpretierte Transitforum-Obmann LAbg. Fritz Gurgiser die Ergebnisse. Auffallend sei auch, dass es sehr wenig Unentschlossene gebe. Für ihn sei das ein Auftrag an die Politik, in diesem Bereich rigoros "herunterzufahren".

Semmering-, Koralm- und Brennerbasistunnel sollen via hoch verschuldeter ÖBB mit Bau-, Finanzierungs- und Folgebetriebskosten mit weiteren 50 Milliarden Euro zulasten der nächsten Generationen belastet werden, kritisierte Gurgiser. Derzeit seien es bereits 18,5 Milliarden Euro.

Er bemängelte auch den Zeitpunkt für die Ausgaben, da derzeit in zahlreichen familien-, bildungs-, sozial-, wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Bereichen "mit der Motorsäge" gekürzt werde.

Auch die Tatsache, dass die ÖBB aus Kostengründen flächendeckend nach dem verkehrten Prinzip von der Schiene auf die Straße Nebenbahnen schließe und gleichzeitig Personen- und Gütertarife erhöhe, stieß Gurgiser sauer auf.

Gurgiser, der auch im Tiroler Landtag mit dem von ihm gegründeten Bürgerklub vertreten ist, forderte erneut, diese Projekte auf ihre Notwendigkeit zu prüfen, und solche, die weder verkehrspolitischen Anforderungen noch den Leitlinien des Rechnungshofes entsprächen, hintanzustellen. (APA/pm)