Betrug

"Die Situation hat sich durch Bürokratie verschlechtert"

Die Medienbühne, die Scheinfirmen am Bau derzeit erhalten, mag den Anschein wecken, es herrsche eine regelrechte Plage. Doch ist dem wirklich so? Karl Weidlinger, Geschäftsführer des Linzer Baukonzerns Swietelsky, im SOLID-Interview über die Lage vom Sozialbetrug im Bau, was sich gesetzlich in den letzten zehn Jahren verändert hat, und wie sein Unternehmen sich gegen Scheinfirmen wappnet.

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Ist die Scheinfirmen-Plage im Bau derzeit besonders schlimm? Oder hat sich die Lage in den letzten Jahren Ihrer Meinung nach eigentlich kaum verschlechtert und nur jetzt kommt vieles raus?

Karl Weidlinger: Mir sind an sich keine Statistiken bekannt, aus denen zu erkennen wäre, dass die Thema im Bau derzeit besonders schlimm sei oder dass sich die Lage sonderlich zum Guten oder Schlechten verändert hätte. Aus medialer Berichterstattung über Fälle von organisierter Sozialbetrugskriminalität lässt sich auch nicht unmittelbar der Schluss ziehen, dass in diesem Bereich vermehrte kriminelle Energie festzustellen wäre. Ich denke aber schon, dass Sozialbetrug leider auch im Bereich Bau ein nach wie vor aktuelles Problem darstellt, da wir in den letzten Jahren den Eindruck gewonnen haben, dass behördliche Kontrollmaßnahmen verstärkt zum Einsatz gelangen.

Sie sehen also einen Einsatz vonseiten der Behörden und des Gesetzgebers?

Karl Weidlinger: Richtigerweise hat der Gesetzgeber – gerade in den vergangenen zehn Jahren – legistische Maßnahmen gesetzt, die Sozialbetrug bekämpfen und erschweren. Diesem Zweck dienen etwa Bestimmungen wie das Auftraggeber/innenhaftungs-, das Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungs- oder das Sozialbetrugsbekämpfungsgesetz. Zumindest was die gesetzlichen Vorgaben betrifft, denke ich also, dass sich die Instrumentarien verbessert haben und diese auch in der Lage sind, Sozialbetrug zurückzudrängen. Insofern meine ich daher, dass spürbare Verbesserungen erreicht werden konnten. Ohne diese Maßnahmen hätten wir heute wohl eine ungleich schlechtere Situation als vor zehn Jahren.

Gleichzeitig muss allerdings gesagt werden, dass mit diesen gesetzlichen Bestimmungen auch enormer bürokratischer Kontrollaufwand auf Bauunternehmen zugekommen ist. Man kann dabei schon durchaus den Eindruck gewinnen, dass den Unternehmen Kontrollaufgaben überbunden wurden, um behördliche Kapazitäten zu entlasten. So gesehen hat sich die Situation durch bürokratische Überfrachtung verschlechtert. Diese Kehrseite der Medaille ist aber wohl in Kauf zu nehmen, da es im selbstverständlichen vitalen Interesse jedes seriösen Unternehmens liegt, Sozialbetrug zu unterbinden.

https://youtu.be/AKGK3VHTjOc

Wie sehen die Erfahrungen Ihres Unternehmens mit Scheinfirmen aus? Hatte Swietelsky bereits Ärger in die Richtung?

Karl Weidlinger: Auch unser Unternehmen hat schon das eine oder andere Mal Probleme mit Scheinfirmen gehabt, die sich allerdings in Grenzen gehalten haben und für uns keine Konsequenzen hatten, da uns nichts vorzuwerfen war. Haftungsthemen durch Scheinfirmen hatten wir daher glücklicherweise noch nicht. Dies ist wohl auch darauf zurückzuführen, dass wir Mechanismen entwickelt haben, die so weit wie möglich bereits vor allfälliger Beauftragung ein Unternehmen durchleuchten. 

Was sind diese Mechanismen?

Karl Weidlinger: Neben den gesetzlichen Bestimmungen an die wir uns selbstverständlich halten, setzen wir etwa auch vertragliche Instrumentarien ein, die im Worst-Case allfällige Haftungen hintanhalten. Unternehmen, die Schwierigkeiten mit solchen Bestimmungen haben, werden daher gar nicht erst beauftragt. Auch Erfahrung und gesunder Hausverstand tragen des Weiteren dazu bei, dass geschäftliche Kontakte mit unseriösen Unternehmen gar nicht erst entstehen. Überdies legen wir Wert auf dauerhafte geschäftliche Beziehungen mit Unternehmen, von deren Seriosität wir uns im Verlauf von teilweise vielen Jahren überzeugen konnten.

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