Corona-Krise

Deutsche Baubranche hofft für 2020 auf Stagnation, Bauherren fordern Entlastung bei Grunderwerbsteuer

Die Viruspandemie trifft die Baubranche vor allem durch Einschnitte bei Kunden aus dem Einzelhandel, Tourismus und bei den Dienstleistern.

Deutschland Konjunktur Coronavirus

Die deutschen Baubetriebe rechnen trotz anziehenden Wohnungsbaus 2020 mit spürbaren Einbußen durch die Coronaviruskrise. "Wir können uns glücklich schätzen, wenn die Bauwirtschaft am Ende des Jahres denselben Umsatz wie 2019 erwirtschaftet hat", sagte der Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa vom mittelständischen Branchenverband ZDB.

Über alle Sparten hinweg rechne man mit einem Minus von 0,2 Prozent. "Wenn es schlechter läuft, können es auch nominal minus zwei Prozent werden." Bereinigt um steigende Preise dürfte dies dann real zu einem Rückgang der Erlöse um fünf Prozent führen.

Zum Jahreswechsel hatte die Branche noch ein Umsatzplus von rund 5,6 Prozent für 2020 veranschlagt. Die Zahl der Beschäftigten wird laut ZDB nun nur noch um rund 5.000 auf 875.000 im Jahresschnitt zulegen. "Aus verschiedenen Umfragen ist erkennbar, dass bereits sehr früh Aufträge in deutlichem Umfang storniert wurden", sagte Pakleppa. Im zweiten Halbjahr dürfte die Bestellung weiter abebben.

Die Viruspandemie treffe die Baubranche vor allem durch Einschnitte bei Kunden aus dem Einzelhandel, Tourismus und bei den Dienstleistern - "alles Bereiche, die den Wirtschaftsbau im vergangenen Jahr getragen haben". Deshalb erwartet der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) für den Wirtschaftsbau nun ein Umsatzminus von nominal 3,5 Prozent. Ursprünglich hatte der Verband für 2020 noch ein Plus von 5,5 Prozent prognostiziert. Beim öffentlichen Bau erwartet die Branche jetzt wegen der schwierigen Finanzlage der Kommunen und weniger Investitionen nun eine Stagnation.

Nur der Wohnungsbau dürfte mit drei Prozent noch wachsen. Die Folgen der Coronakrise seien hier wohl nur vorübergehend. "Wer von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit betroffen ist, wird nicht in eine eigene Immobilie investieren", räumte Pakleppa aber ein. "Das haben die unmittelbar nach dem Lockdown erfolgten Auftragsstornierungen deutlich gezeigt."

Gleichzeitig schlägt der deutsche Bauherren-Schutzbund Erleichterungen bei der Grunderwerbsteuer vor, die seit 2006 von den Bundesländern festgelegt wird.

Seit 2010 hätten sich die Einnahmen aus dieser Steuer verdreifacht. Je nach Region würden bis zu 6,5 Prozent der Kaufsumme als Grunderwerbsteuer fällig. "Die Länder haben durch die stetige Erhöhung der Grunderwerbsteuer deutlich vom Immobilienboom profitiert", kritisierte Florian Becker, Geschäftsführer des Bauherren-Schutzbunds. "Eine Steuersenkung wäre ein wichtiges Signal, um gerade in Zeiten der Coronakrise für Stabilität zu sorgen und Verbraucher beim Immobilienkauf besser zu unterstützen."