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Das kann und muss Digitalisierung am Bau

Das Schreckgespenst Digitalisierung ist gar nicht so zum Fürchten. Und mit ihm leben lernen muss die Baubranche so oder so. Lesen Sie hier, was der Begriff alles birgt und was die Experten dazu sagen.

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Das Thema Digitalisierung schreckt immer noch viele Baufirmen ab. Es ist dieses eine umfassende Wort, hinter dem so viel steckt – noch viel mehr als BIM – und das damit für so manches Unternehmen in der Baubranche zu etwas Undefinierbarem wird. Und während auf der einen Schulter das Engerl sitzt, das – ganz zu recht – die Modernisierung und digitale Aufarbeitung des Unternehmens fordert, hockt auf der anderen Schulter das Teufelchen, das da sagt: ‚Aber es ging doch bisher auch ohne Digitalisierung. Machen wir so lange so weiter, wie es geht.’

Gar nicht teuflisch

Das Engerl sollte in Wirklichkeit nicht auf Digitalisierung beharren, weil es nun mal die voranschreitende Zeit so will; sondern vielmehr sagen: ‚Sicher ging es bisher auch ohne, doch deswegen war es bisher nicht besser.’ Digitalisierung bedeutet zwar eine Investition – sie bedeutet aber auch mittelfristig eine enorme Kostenersparnis. Sie ist anfangs ein Aufwand – bald aber erspart sie viel Arbeit. Und sie ist sicherlich eine Umstellung – aber besser jetzt, als wenn alle anderen bereits weit voraus sind.

Hier geht es nicht nur um einzelne Unternehmen. Hier geht es um den Wirtschaftsstandort Österreich ganz allgemein. „Digitalisierung ist eine nachhaltige Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit“, sagt auch jüngst Gerald Goger. Der Universitätsprofessor an der TU Wien leitete eine große Studie zu dem Thema, für die das Institut für Interdisziplinäres Bauprozessmanagement und die TU zusammenarbeiteten und deren Ergebnisse diesen Monat präsentiert wurden. 

Alles Potential

Im Zuge dieser Studie kommt auch die Kostenersparnis zur Erwähnung. Michael Paula, Leiter der Abteilung für Energie- und Umwelttechnologien im BMVIT, erweitert das Einsparpotential noch auf Energie und Ressourcen. „Hier gibt es für große genauso wie kleine Betriebe im Gebäudesektor ein enormes Potential durch die Digitalisierung.“ Nur – von allein kommt die natürlich nicht. Dafür müssten „Berührungsängste“ abgebaut werden, so Astrid Achatz von der Fraunhofer-Allianz Bau. 

Solche Ängste scheint es durchaus noch zuhauf in Österreichs Baubranche zu geben. „Die Branche hat bei der Digitalisierung noch großen Nachholbedarf“, sagte auch Ricardo-José Vybiral, Vorstandsvorsitzender der KSV1870-Holding, vor einigen Monaten im SOLID-Interview. Eine KSV-Umfrage ergab zu diesem Zeitpunkt, dass nur 65 Prozent der Bauunternehmen eine baldige Investition in diese Richtung planen würden. 

https://www.youtube.com/watch?v=74Z3X1Ug23k

Software für alle Größen

Liegt es vielleicht wirklich an der Vielschichtigkeit – und damit Undurchsichtigkeit – des Begriffes? Digitalisierung – das klingt nach so viel, da ist man leicht einmal überfordert. Dabei kann sie die Dinge doch vereinfachen.

Die BMD Systemhaus bietet Softwarelösungen für die Baustellenverwaltung und das Kostenmanagement. Bisher hat sich das österreichische Unternehmen vor allem auf Steuerberater konzentriert gehabt. Doch der Software-Experte Gerhard Poschinger sah das enorme Einsparungspotential auch in der Bauwirtschaft: „Zukünftig wird es für die Bauwirtschaft notwendig werden, Arbeitsabläufe zu vereinfachen, rascher auf Kundenwünsche zu reagieren, Informationen zentral abzulegen und eine genauere Baustellenkalkulation durchzuführen, um ihre Ziele zu erreichen.“ 

Das mag vorerst nach Mehraufwand klingen. Jedoch, die Bautagebücher werden so oder so erfasst. In nicht digitaler Form ist der Kostenüberblick dann aber eben erst am Ende des Monats da. Dabei sollte eine Baufirma doch ständig up to date sein, was die laufenden Kosten betrifft. 

© BMD

An so einfachen Beispielen sieht man auch, dass Digitalisierung einen Mehrwert für alle haben kann, nicht nur für große Firmen. Wolfgang Foißner, Abteilungsleiter Verkauf bei BMD: „Wir sind Partner von Bauunternehmen mit zehn Mitarbeitern genauso wie von solchen mit 300. Für die einen reicht eben ein Software-Spektrum in der Höhe von 1.500 Euro aus, bei den anderen werden schon mal Investitionen von 70.000 Euro getätigt.“ 

Und der altmodische Teufel auf der Schulter schweigt.

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