SOLID 03/2019

Das Einbauhaus als Stütze

Im Hinblick auf Ressourcenschonung und den beschränkten Platz in – vor allem – Städten und urbanen Ballungsgebieten befassen sich weltweit immer mehr Büros mit einer Nische der Produktionsmöglichkeit von Architektur.

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Architektur China Nachhaltigkeit SOLID 03/2019

Alte Häuser werden immer öfter renoviert statt abgerissen, mit neuen Elementen und Techniken aufgewertet und in zeitgemäße Wohn-, Lebens- und Arbeitsmöglichkeiten verwandelt. 

Die in Beijing beheimateten Büros People‘s Architecture Office (PAO) und People‘s Industrial Design Office (PIDO) gehen nun noch einen (logischen) Schritt weiter. Die Shangwei Plugin Houses sind kleine Wohneinheiten, die in Hunderte Jahre alte, seit Jahrzehnten verlassene und nur als Ruinen erhaltene Mauerreste einer chinesischen Siedlung eingepflanzt wurden. Die rapide urbane Expansion des nahe gelegenen Shenzhen verschluckte Orte wie Shangwei und verwandelte sie in landschaftliche Inseln, umringt von Neubauten. Die Hälfte der Grundstücke hier wurden von den Bewohnern, auf der Suche nach einem „besseren“, höheren Lebensstandard verlassen – sie zogen in die benachbarten, neu errichteten Wohngegenden.
 

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Die örtliche Verwaltung, die Shangwei Village Cooperative, interessierte sich nun für neue, innovative Wege, um die Gegend wieder zu bevölkern und wollte eine sich selbst entwickelnde Gemeinschaft von Künstlern und Handwerkern, welche sich bereits in den alten Gemäuern niedergelassen hatten, unterstützen. Da diese Objekte sehr schwierig zu restaurieren sind, weil die geringsten Änderungen in der Struktur die nebenstehenden Gebäude beeinflussen und weitere Einstürze zur Folge haben könnten, hat sich das Architekturbüro dazu entschlossen, die jeweilige Originalstruktur unberührt zulassen und strikt innerhalb des noch existierenden „Hauses“ – eigentlich nur Mauerreste – zu bauen.

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Die örtliche Verwaltung, die Shangwei Village Cooperative, interessierte sich nun für neue, innovative Wege, um die Gegend wieder zu bevölkern und wollte eine sich selbst entwickelnde Gemeinschaft von Künstlern und Handwerkern, welche sich bereits in den alten Gemäuern niedergelassen hatten, unterstützen. Da diese Objekte sehr schwierig zu restaurieren sind, weil die geringsten Änderungen in der Struktur die nebenstehenden Gebäude beeinflussen und weitere Einstürze zur Folge haben könnten, hat sich das Architekturbüro dazu entschlossen, die jeweilige Originalstruktur unberührt zulassen und strikt innerhalb des noch existierenden „Hauses“ – eigentlich nur Mauerreste – zu bauen.

Diese Plugin Houses benutzen ein modulares System aus vorgefertigten Paneelen. Sie werden, mit wenigen Zentimetern Abstand zu den alten Mauern wie fehlende Puzzlestücke in die bereits (oder noch) bestehende Umgebung eingesetzt. Verbindungsbeschläge sind in jedem der Paneele integriert, Türen und Fenster sind aus Kunststoff oder Aluminium mit Isolierglasscheiben und so kann ein Haus innerhalb eines Tages von ungelernten Arbeitern mit minimalem Werkzeugaufwand errichtet werden.

Die industrielle (Vor)Fertigung erlaubt die Verwendung von hoch qualitativen Materialien, erhöht gleichzeitig drastisch die Energieeffizienz und die ökonomischen Maßstäbe stellen sicher, dass diese Hineinstell-Häuser erschwinglich bleiben. Und obwohl die Plugin-Paneele in einer Massenproduktion hergestellt werden, wird jedes Wohnobjekt auf den Ort und die Gegebenheiten sowie Bedürfnisse der Benutzer individuell zugeschnitten und angepasst.

Das Huang Family Plugin House passt auf die winzige Fläche von 15 Quadratmeter. Weil ein Teil des ursprünglichen Daches noch immer bestand, funktioniert der Einbau des Hauses gleichzeitig als Unterstützung, Sicherung und Verstärkung der maroden Struktur. Es ist eine Schutzmaßnahme gegen mögliche strukturelle Probleme, die das alte Haus haben könnte. Um zusätzlichen Raum (nur 15 m2 Grundfläche) zu generieren, befindet sich der Schlafraum auf einer Mezzaninebene mit einem Eckfenster, welches über eine halbverfallene Wand hinausragt und einen Panoramaausblick über die Dächer der Siedlung bietet. Ein Dachfenster ist dort, wo das alte Dach bereits kollabiert ist und so gelangt viel Naturlicht in die Tiefe des Raumes.

Das Fang Family Plugin House ist nur wenig größer als 20 Quadratmeter. Auf der rechten Seite des Gebäudes bringt ein Oberlicht in einem shedförmig ausgebildeten Dach genügend Licht in das Schlafzimmer. Auch diese Architektur scheint wie ein weißer Kristall aus den Ruinen herauszublühen. Trotz aller Beengtheit ist hier noch Platz für einen Minigarten geblieben. Bei beiden Plugin Houses wird durch effiziente Kleinsteinheiten für Heizung, Kühlung und einem modernen Küchenblock ein deutlich erhöhter Lebensstandard ermöglicht. Auch ein für die Kompostierung geeignetes, off-grid Toilettensystem gehört zum Standard dieser Projekte.

Fotos: People’s Architecture Office, Zhan Changheng