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Das Alpine-Debakel – ein Stationendrama

Die Pleite der damals zweitgrößten Baufirma Österreichs 2013 wirbelte eine Menge Staub auf, der sich noch immer nicht gelegt hat. Hier die Chronik des Debakels und die aktuellsten Entwicklungen.

Österreich Alpine
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© Industriemagazin Verlag GmbH Anfang April 2013 wechselte der 46-Jährige Arnold Schiefer von der Rail Cargo Austria auf den Chefsessel von Alpine. Sein Befund: Die Alpine habe in Osteuropa „Lehrgeld“ gezahlt und damit eine „gewisse Entwicklungshilfe“ geleistet. „Uns hat das in eine große Schieflage gebracht.“ Für Schiefer bestand damals die Alpine aus „einem gesunden Kern“, nämlich Österreich und den umliegenden Ländern.
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Anfang April 2013 wechselte der 46-Jährige Arnold Schiefer von der Rail Cargo Austria auf den Chefsessel von Alpine. Sein Befund: Die Alpine habe in Osteuropa „Lehrgeld“ gezahlt und damit eine „gewisse Entwicklungshilfe“ geleistet. „Uns hat das in eine große Schieflage gebracht.“ Für Schiefer bestand damals die Alpine aus „einem gesunden Kern“, nämlich Österreich und den umliegenden Ländern.
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Das Schicksal des zweitgrößten Baukonzerns Österreichs war allerdings schon besiegelt. Am 19.6.2013 muss die Insolvenz angemeldet werden. Das Sanierungskonzept besteht aus verschiedenen Teilen. Neben einer Geldspritze des spanischen Mutterkonzerns FCC und Erlösen aus dem Verkauf von Töchtern braucht es einen Schuldennachlass von den Banken in Höhe von bis zu 200 Mio. Euro – etwa 30 Prozent der Verbindlichkeiten. Das Management der Alpine kämpfe „mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln für eine positive Lösung für die 15.000 Mitarbeiter“, sagt damals Unternehmenssprecher Johannes Gfrerer.
© Strabag, Alpine
Der größte heimische Baukonzern Strabag will die stillstehenden Bauvorhaben der Alpine fertigstellen. Doch jedes einzelne Projekt müsse auf Risiken geprüft werden, so der Vorstand. Für bis zu 1.500 Wohnungen gab es einen Bau-Stopp. Die Baustellen-Übernahme durch Konkurrenten zu tiefen Alpine-Preisen sei aber kaum möglich. Auch Streitereien bei Mängeln drohen.
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Der Linzer Baukonzern Swietelsky will 1.500 von 4.900 österreichischen Mitarbeitern der Alpine übernehmen. Von den 4.905 Mitarbeitern der insolventen Alpine sind im September 2013 über das AMS nur mehr 133 auf Arbeitssuche. Diese Zahlen zitiert die Baugewerkschaft - und fordert, bei öffentlichen Aufträgen heimische Firmen vorzuziehen.
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Der Alpine-Crash hat auch positive Auswirkungen, etwa auf die Porr. Die Aktienanalysten von SRC Research in Frankfurt stufen Anfang 2014 das Papier der Porr nach oben auf den Status „Buy“. Der Baukonzern habe insbesondere von der Pleite des Konkurrenten Alpine profitiert.
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2014 kommt es zur größten Versteigerung von Baumaschinen in ganz Europa – 5.000 Baumaschinen und Geräte des insolventen Bauriesen Alpine kommen unter dem Hammer.
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Doch der Wirtschaftskrimi geht erst richtig los, mit einem schweren Vorwurf im April 2014: Die Alpine habe weitere 700 Mio. Euro "unnötig" versenkt. Der gefallene Bauriese Alpine habe den Insolvenzantrag zu spät gestellt und zu viel Geld ins Ausland überwiesen, so Wirtschaftsprüfer von BDO und KPMG laut einem Medienbericht.
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Ein neues Gutachten behauptet, die Alpine Holding habe noch Anleihen begeben, obwohl sie schon insolvent gewesen sei. Der Masseverwalter Karl Engelhart bereitet deshalb eine weitere Klage gegen den spanischen Mutterkonzern FCC vor. Er erhofft sich gut 186 Mio. Euro. Die Banken wussten angeblich bereits 2009 Bescheid.
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Die Megapleite der Alpine wird im Dezember 2014 neu aufgerollt: Nach monatelangen Recherchen zeichnet ein Journalistenteam im Magazin "Datum" ein Sittenbild voller Managementfehler und dubioser Geldflüsse. Auch der ehemalige Konzernchef Aluta-Oltyan kommt nicht allzu gut weg. Der Balkan als Anfang vom Ende der Alpine.
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Die Ermittlungen werden im Februar 2015 auf 25 Beschuldigte und vier Firmen ausgeweitet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt direkt gegen verantwortliche Manager bei der Alpine, dem Mutterkonzern FCC und mit einer Millionenforderung gegen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte. Der Konzern sei offenbar schon 2010 zahlungsunfähig gewesen. Deloitte wehrt sich gegen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft wegen Ermittlungen im Zuge der Alpine-Pleite. Das Gutachten der Masseverwalter sei „teils grob falsch“. Auch die Problemaufträge in Polen spielen in dem Streit eine Rolle - bis heute. Ab 2006 erwarb die FCC aus Spanien die Alpine Bau GmbH, Anfang 2012 verkaufte der bisherige Miteigentümer Dietmar Aluta-Oltyan seinen 13,5-%-Anteil
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Singapur verklagte Alpine auf 330 Mio. Euro. Die Alpine war an mehreren Projekten beteiligt, unter anderem an einer Zugstation in der Innenstadt.
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Und immer neue Vorwürfe: In einem Prozess gegen die BAWAG im Mai 2015 habe eine Bankmitarbeiterin offengelegt, dass die Alpine-Bonds bei der BAWAG intern Junk-Status gehabt hätten, so ein Anlegervertreter. Die Bank dementiert.
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Die Arbeiterkammer erringt im August 2015 in der Causa Alpine einen juristischen Teilsieg. Die AK-Sammelklage gegen die Erste Bank ist zulässig, entscheidet das Oberlandesgericht Wien. Die AK hat insgesamt 16 Sammelklagen gegen Banken eingebracht, die riskante Alpine-Anleihen an Kleinanleger verkauft haben.
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Im September 2015 wird bekannt: Ehemalige Geschäftsführer des früheren Bauriesen, die von 2009 bis Sommer 2010 dort tätig waren, haben ein Ermittlungserfahren wegen Untreue, Beitrag zur Untreue und Bestechung von Amtsträgern am Hals. Im Dezember 2015 sorgt folgende Meldung für Aufsehen: „Alpine soll sich Kredite erschlichen haben.“ Das Bundeskriminalamt geht laut „Kurier“ einem Verdacht auf Bilanzfälschung nach, auch die Steuerzahler haften.
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Drei Jahre nach der Insolvenz der Alpine Bau GmbH sehen die Gläubiger 2016 erstmals einen kleinen Teil ihres Geldes wieder: „Bei dem gegenwärtigen Massestand ist es möglich, in den nächsten Wochen eine erste Quote von 5 Prozent zu verteilen", teilte Jürgen Gebauer vom Kreditschutzverband von 1870, Mitte Juni mit. Mitte Juli wurden 95 Millionen ausbezahlt. Ebenfalls im Juni 2016 wird ein Ex-Alpine-Manager wegen Betrugs und Untreue angeklagt. Der Manager der Alpine Energie soll Teile seines Privatlebens auf Firmenkosten finanziert haben.
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Nach der Milliardeninsolvenz des einst zweitgrößten österreichischen Baukonzerns Alpine BauGmbH im Sommer 2013 kämpfen nun auch die Gläubiger der Konzernhülle Alpine Holding GmbH um ihr Geld. Bisher langten laut Kreditschutzverband AKV 7.592 Forderungsanmeldungen im Volumen von insgesamt 864,36 Mio. Euro bei Gericht ein - 675,42 Mio. Euro davon wurden anerkannt, 188,96 Mio. Euro bestritten.