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D: Zähe Tarifverhandlungen ante portas

Vor der unmittelbar bevorstehenden Tarifrunde sind die Verhandler bedingt durch Corona über die Lage der Branche noch unterschiedlicherer Meinung als sonst.

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Heute (ursprünglich war der März geplant gewesen) beginnen in Deutschland die Tarifverhandlungen für die Baubranche und die Zeichen weisen auf ein hartes Ringen hin. "Am Bau gibt es keinen Einbruch durch Corona", verkündete noch vor wenigen Tagen Carsten Burckhardt, der Verhandlungsführer der Gewerkschaft. Im Gegenteil: "Die Auftragsbücher sind voll, und es wird flächendeckend gearbeitet."
 
Die Gewerkschaft sieht deshalb keinen Grund, von ihren Forderungen abzuweichen, die sie schon vor der Corona-Krise festgelegt hatte: ein Lohn-Plus von 6,8 Prozent, mindestens aber 230 Euro monatlich, außerdem ein Wegegeld für die Anreisezeit zur Baustelle.

"Klar laufen die meisten Baustellen noch weiter", gestehen die Arbeitgeber zu. Aber es koste die Unternehmen viel Geld, die Corona-Regeln einzuhalten, klagt der Zentralverband Deutsches Baugewerbe. Fast der Hälfte der Betriebe seien Aufträge storniert worden, es gebe Kurzarbeit und Entlassungen.

"Was aber wirklich Sorge bereitet, ist der Blick nach vorne, weil Folgeaufträge ausbleiben", ergänzt die Arbeitgeberseite. Wirtschaft und Kommunen gehe das Geld aus. "Und ob private Immobilienbesitzer angesichts von Kurzarbeit und drohender Arbeitslosigkeit in ihre Häuser und Wohnungen investieren werden, ist äußerst fraglich."

Damit dürfte es abermals keine reibungslose Tarifrunde geben. Vor zwei Jahren konnte der Konflikt erst in einer Schlichtung gelöst werden. Der Schlichterspruch des früheren Bundeswirtschaftsministers Wolfgang Clement brachte den Beschäftigten kräftige Lohnerhöhungen. Im Westen waren es 5,7 Prozent, im Osten insgesamt sogar 7,4 Prozent, außerdem in beiden Fällen Einmalzahlungen.