Montag, 6. April 2020 - Morning Briefing

Covid-19 hat negativen Einfluss auf den heimischen Immobilienmarkt – Die deutsche Bauindustrie wagt derzeit noch keine Prognose für Jahr 2020

Das Wichtigste in Kürze. Der Immobiliendienstleister EHL sieht einen Einbruch großvolumiger Investments auf dem österreichischen Immobilienmarkt. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) kann die Folgen von Corona für die Bauwirtschaft noch nicht zur Gänze abschätzen. Ein Schlussantrag des EuGH-Generalanwaltes sieht Genehmigungspflicht für Ferienwohnungen als rechtens an.

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„Ich bin sicher, dass sowohl Bau- und Immobilienbranche als auch Hausverwaltungen in Zukunft verstärkt smart und damit digital werden.", sagt Digitalisierungsexperte Thomas Korol, Geschäftsführer der ISHAP Gebäudedokumentations GmbH. Die Corona-Krise würde der laut Korol konservativen Baubranche vor Augen führen, dass eine Zukunft ohne Digitalisierung nicht mehr denkbar sei. Viele Bauunternehmen hätten derzeit Probleme, da viele Bauwerksbücher und Baupläne immer noch lediglich in analoger Form vor Ort auf den Baustellen verfügbar sind. Im Zuge der derzeitigen Homeoffice-Aktivitäten kann also nicht auf die benötigten Dokumente zurückgegriffen werden. "Das wird sich nach diesem gewaltigen Corona-Schock schlagartig ändern. Papier wird vom Bau verschwinden, so der Digitalisierungsexperte weiter.

Coronavirus dämpft Immobilieninvestments

Die Auswirkungen des Coronavirus treffen auch den heimischen Immobilienmarkt. Im März brachen großvolumige Immobilieninvestments in Österreich im Vergleich zum Vorjahresquartal um 40 Prozent ein, geht aus Berechnungen des Wiener Immobiliendienstleisters EHL hervor. Im ersten Quartal lag laut EHL das Immobilien-Transaktionsvolumen hierzulande bei fast 500 Mio. Euro, unter anderem wechselten Wohnbauprojekte, Büroobjekte und Baumärkte den Besitzer. "In welchem Ausmaß die Coronakrise Marktvolumen und Immobilienpreise beeinflusst hat und noch beeinflussen wird, lässt sich derzeit nicht mit hinreichender Sicherheit abschätzen", so Franz Pöltl, Geschäftsführer der EHL Investment Consulting, am Freitag in einer Aussendung. Es werde aber wohl "eine spürbare Spreizung der Risikoaufschläge geben", der Renditeunterschied zwischen Spitzenobjekten und weniger guten Objekten werde "deutlich größer werden". (APA/red)

Deutsche Bauindustrie verunsichert

Die deutsche Bauindustrie wagt wegen der Coronavirus-Krise derzeit keine Umsatzprognose für das Gesamtjahr. Es bestehe das Risiko, dass die Produktion von Lieferengpässen, Erkrankungen in den Belegschaften oder behördlichen Maßnahmen gebremst werde, erklärte der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) am Donnerstag. "Die Eintrittswahrscheinlichkeit ist weiterhin ungewiss, die Auswirkungen könnten aber immens sein", hieß es. Eine konkrete Prognose sei derzeit nicht möglich. In einer ersten vorsichtigen Trendaussage halte der HDB eine Stagnation für möglich, ein reales Wachstum liege aber außer Reichweite. (APA/red)

Genehmigungspflicht für Ferienwohnungen rechtens

Eine Genehmigungspflicht zur kurzzeitigen Vermietung von Wohnraum ist grundsätzlich rechtens: Zu dieser Einschätzung kam der Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), Michal Bobek, in Luxemburg in seinem veröffentlichten Schlussantrag. Die Auflage für Vermieter sei mit der europäischen Dienstleistungsfreiheit vereinbar. Frankreich hatte für alle Gemeinden mit mehr als 200.000 Einwohnern und den Großraum Paris eine Genehmigungspflicht zur Kurzzeitvermietung über Plattformen wie Airbnb eingeführt. Weil sie sich daran nicht hielten, wurden zwei Eigentümer von Pariser Einraumwohnungen zu Geldstrafen von jeweils 15.000 Euro verurteilt. Sie mussten die Wohnungen wieder auf dem normalen Mietmarkt anbieten. Generalanwalt Bobek betonte, das "Ziel der Bekämpfung einer Knappheit langfristigen Wohnraums" könne "einen zwingenden Grund des Allgemeininteresses darstellen", der eine Genehmigungspflicht rechtfertigen könne. (APA/red)
 

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