Coronavirus

Corona-Krise: „Ab Mai von Woche zu Woche wirklich schwieriger“

Habau-Chef Hubert Wetschnig sieht Österreichs Bauwirtschaft mit ihren 250.000 Mitarbeitern auch staatspolitisch als wichtig. Wir sprachen mit ihm über reale und wenig bedachte Probleme und seine Perspektive auf die zu überbrückende Zeit.

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Hubert Wetschnig, CEO der viertgrößten Baufirma im Land, hält die Stellung, „schon allein aus Symbolgründen“, wie er sagt. Der Chef kann nicht zu Hause sitzen, wenn Mitarbeiter unterwegs und auf den Baustellen sein müssen. Außerdem sind doch einige Unterlagen im Wiener Büro der im oberösterreichischen Perg beheimateten Habau Group. Die Habau mit ihren Tochterfirmen ist mit einem Umsatz von rund 1,5 Milliarden und ca. 1.500 Mitarbeitern mit Abstand das größte Bau-Familienunternehmen Österreichs.

Wie alle größeren Baufirmen steht die Habau zum Zeitpunkt des Gesprächs vor der Frage, wie man mit der sehr unklaren Situation des Handlings des Corona-Virus auf den Baustellen sinnvoll umgehen kann und wie man das überall dort kommuniziert, wo zwangsläufig die breite Erfahrung mit der Realität auf den Baustellenfehlt. 

So könnte man „natürlich auf einer Straßenbaustelle, wo die Leute vier Meter voneinander entfernt sind, etwas tun.“ Aber zu dieser Problematik des geforderten Sicherheitsabstands von einem Meter kommt noch einiges hinzu. So sei es ein ganz großes Thema, dass man zum Teil das Baumaterial nicht im notwendigen Ausmaß auf die Baustelle geliefert bekommen würde. „Teilweise kommt das Material ja auch über die Grenze, aus der Slowakei oder aus Ungarn.“ Ein oft wenig bedachtes Material auf Straßenbaustellen seien etwa Geogitter, die man zum Betoneinbau braucht.

Und das zweite große Thema sind die Mitarbeiter. Da sind es wiederum nicht nur Mitarbeiter aus Nachbarländern, die nicht mehr auf die Baustelle kommen, sondern andere pragmatische Probleme. „Die Leute fahren ja seit Ewigkeiten und als Grundlage der ganzen Planung mit Firmenbussen, die von uns zur Verfügung gestellt werden. Da sind sie aber zu viert, zu fünft oder zu sechst drinnen. Da sind wir weit weg von einem Meter Abstand.“

Auf der Baustelle würde sich das Problem für die Mitarbeiter bei Containern, WCs und ähnlichen Einrichtungen fortsetzen. „Und wenn man diese Meterregelung beim Sicherheitsabstand nicht einhält, gibt es Bestrafungen für die Personen und auch für uns als Firma.“

„Deshalb haben wir uns den anderen großen angeschlossen und sagen: wir fahren die Baustellen jetzt einmal runter.“ Die Kunden reagieren darauf unterschiedlich. Manche hätten ebenfalls angeordnet, die Baustellen zu schließen, andere nicht, selbst wenn sie im öffentlichen Bereich wie etwa die ÖBB sind. „Dort können wir nur bestmöglich weiterbauen“, sagt der Habau-Chef.

„Aber wenn ich keine Mitarbeiter mehr auf die Baustelle bekomme oder ich den Sicherheitsabstand aufgrund der örtlichen Gegebenheiten nicht einhalten kann, muss ich auch den ÖBB schreiben: tut mir leid, ich kann nicht weitertun.“ 

Habau-Chef Wetschnig ist daher für eine generelle Regelung zur zeitweiligen Einstellung der Baustellen. „Man muss sich ja auch in den Menschen hinein versetzen. Die einen Mitarbeiter, die auf einer Asfinag-Baustellesind, sollen aufhören – und die anderen, die auf einer ÖBB-Baustelle oder einer anderen sind, nicht. Dazu käme eine gewisse Verunsicherung unter der Bevölkerung, wie sie die Baustellen und die Arbeiter jetzt betrachten können. 

Und das größere Bild? Wie kann es weiter gehen, wie lange kann es dauern? Wie lange hält man durch? Was kommt nach der Krise?

Wetschnig: „Im Moment gibt es ja zum Beispiel in Deutschland aufgrund dort anderer Regelungen und Ansichten genug Baustellen, die laufen. Wir müssen jetzt Baustelle für Baustelle schauen, welche Optionen wir haben und wie wir das mit den Kunden am besten lösen können.“

Die Habau setzt für die Zeit der Krise zu hundert Prozent auf Kurzarbeit. „Wir haben nicht vor, einen einzigen Mitarbeiter zu kündigen. Grundsätzlich haben wir einen positiven Ausblick. Wir haben die Bücher gefüllt, die Projekte laufen.“

Die große Frage der Fragen bleibt aber auch für die Habau, wann es wieder losgeht, „wann wir wieder mit weniger Einschränkungen arbeiten können.“ 

Und danach? „Die Infrastrukturprojekte werden sicher alle stattfinden, eher sogar mehr werden“, sagt Wetschnig. „Auch die Wohnbauprojekte sehe ich als nicht gefährdet an. Ob das eine oder andere Projekt, in dem Industrieunternehmen Betriebsanlagen erweitern, weiterhin umgesetzt wird, ist schwer einzuschätzen.“

Das große Thema sei also die Überbrückung der Zeit. „Die Frage ist: wie lange ist die Überbrückung notwendig? Reden wir von relativ zeitnah nach Ostern? Oder reden wir von länger?“ Die von Strabag-Vorstand Peter Krammer genannte Möglichkeit, dass es bis zur Normalisierung ein halbes Jahr dauern könnte, ist für den Habau-Chef „auf jeden Fall Worst Case. Wenn wir mehr als in den Mai hinein kommen, wird es von Woche zu Woche wirklich schwieriger.“

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