Österreich

Branchenklimaindikator: Bau hat bestes Ergebnis seit 15 Jahren

Insgesamt zeigt sich ein gemischtes Bild mit Dienstleistung an der Spitze und Industrie im Wackeln.

Konjunktur Österreich Hochbau Tiefbau Infrastruktur

„Die aktuellen Unternehmensbefragungen auf Branchenebene vom Frühjahr 2019 vermitteln ein uneinheitliches, aber nicht unerfreuliches Konjunkturbild. Während die Industrie in den Produktionserwartungen für das zweite Quartal erkennbar vorsichtiger geworden ist, sind die Bauunternehmen, die Dienstleister und der Einzelhandel in ihren Erwartungen per Saldo optimistisch geblieben. In Summe hat Österreichs Wirtschaft 2019 bereits an Wachstumstempo eingebüßt, die Unternehmen haben aber keinesfalls das Vertrauen in die weitere Geschäftsentwicklung verloren“, fasst Günter Wolf, Ökonom der UniCredit Bank Austria, den aktuellen Branchenüberblick zusammen.

Weiterhin lebhafte Bautätigkeit

Österreichs Bauwirtschaft verbuchte 2018 ein Umsatzplus von 8 Prozent preisbereinigt und damit ihr bestes Ergebnis seit fünfzehn Jahren. Die Zuwächse waren im Hoch- und Tiefbau ähnlich hoch. Vor diesem Hintergrund wird sich die Baukonjunktur 2019 deutlich abkühlen, voraussichtlich aber nicht ins Minus rutschen. Für weitere Zuwächse sprechen sowohl die jüngsten Konjunktureinschätzungen der Bauunternehmen, die ihre Auftragslage ähnlich optimistisch wie im Vorjahr beurteilten, als auch die anhaltend guten Rahmenbedingungen, nicht zuletzt die günstigen Finanzierungskonditionen für Bauprojekte. Ein Umsatzplus im Bereich von 3 Prozent real 2019 ist auf jeden Fall noch möglich.

2018 wurde das Hochbauwachstum wesentlich von den Baunebengewerben und zunehmend von Neuaufträgen im Wirtschaftsbau getragen, während der Wohnungsneubau etwas an Dynamik verloren hat. Wie die Geschäftsvertrauenswerte auf Spartenebene in den letzten Monaten zeigten, verschiebt sich der Auftragsschwerpunkt im Hochbau 2019 weiter vom Neubau in Richtung Adaptierungsarbeiten.

Das sehr hohe Auftragsminus im Tiefbau von rund 20 Prozent vom ersten Quartal kündigt die Abkühlung der Spartenkonjunktur an, ist aber auch die Folge der grundsätzlich volatilen Auftragsentwicklung der Sparte. Im April beurteilten die Unternehmen ihre Auftragslage weiterhin besser als im langfristigen Vergleich. Zudem berichten die Tiefbauunternehmen im zweiten Quartal 2019, dass ihre Kapazitäten für die nächsten elf Monate ausgelastet sind, der höchste Wert seit Erhebungsbeginn 1996.

„Von Jänner bis April 2019 ist die Zahl der Arbeitsplätze in der österreichischen Bauwirtschaft um mehr als 6 Prozent gestiegen, wobei die Zuwächse sowohl im beschäftigungsintensiven Hochbau als auch im Tiefbau verzeichnet wurden. Die hervorragende Beschäftigungsentwicklung ist ein Spiegel der anhaltend erfreulichen Baukonjunktur“, sagt Branchenanalyst Wolf.

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