SOLID 02/2019

Birtel: "Muss robust sein"

Strabag-CEO Thomas Birtel im Interview – über seine größten Qualitäten, Merkmale einer guten Strategie und seine Wünsche für 2019.

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SOLID: Welche Eigenschaften machen Sie Ihrer eigenen Meinung nach zu einem so erfolgreichen Menschen und Manager?

Thomas Birtel: Die Wahl ist ein großes Kompliment, über das ich mich natürlich wieder sehr gefreut habe. Sie würdigt aber in Wirklichkeit nicht die Leistung eines einzelnen, sondern des riesigen STRABAG-Teams. Unser Erfolg ist aus meiner Sicht maßgeblich durch unser 2014 eingeführtes Motto "TEAMS WORK." und alles, was sich daraus ergeben hat, befördert worden.

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Sie haben anlässlich der jüngsten Vorstandsumbildung der Strabag auch von der Verjüngung gesprochen, die in der Führung der Strabag stattfindet. Wie jung fühlen Sie sich da selber bzw. wie wertvoll ist eine Balance zwischen älter und jünger?

Birtel: In der Tat bin ich ja jetzt das mit Abstand dienst- und an Lebensjahren älteste Vorstandsmitglied unseres Konzerns. Da die Verjüngung aber nicht auf einen Schlag, sondern wohldosiert in einzelnen Schritten erfolgt, gibt es auch keinen Bruch. Am wichtigsten ist für mich jedoch der Umstand, dass der Vorstand grundsätzlich aus den eigenen Reihen nachbesetzt wird. Das garantiert nicht nur eine reibungslose und kompetente Zusammenarbeit, sondern ist zugleich die beste Motivation für unseren Führungskräftenachwuchs!

Sie haben in Ihrem Unternehmen nach den Turbulenzen der frühen 2010er-Jahre eine Strategie der verteilten Risiken und Chancen ausgegeben. Wie zufrieden sind Sie und hätte man nicht in den Hochkonjunkturjahren mehr riskieren können – oder sogar sollen?

Birtel: Ganz zufrieden ist man nie - sonst bleibt man stehen. Aber man sieht an unserem track record der letzten Jahre - es funktioniert. Dabei haben wir durchaus auch einiges "riskiert". Das man das "unter dem Strich" nicht sieht, macht das Geschäftsmodell gerade aus; es muss robust sein, damit es langfristig aufgeht.

In ganz Europa sieht man Unmengen von Baukränen, das Geschäft scheint nie auszugehen. Sehen Sie das auch so oder ist Europa irgendwann einmal fertig gebaut?

Birtel: In unseren mittel- und osteuropäischen Kernmärkten ist der Nachholbedarf an moderner Infrastruktur nach wie vor so hoch, dass diese Generation ein "Fertigbauen" nicht erleben wird. In Deutschland ist die Lage anders: Dort geht es vorwiegend um Ersatz- und Ausbau. Dort ist aber der Nachholbedarf so immens, dass das gegenwärtige hohe Niveau mindestens bis 2030 gesichert ist.

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Worauf konzentrieren Sie im Jahr 2019 und auch 2020 Ihre Energien und Aktivitäten – geografisch und inhaltlich?

Birtel: Wir sind mit einem Rekordauftragsbestand ins neue Jahr gegangen - den erfolgreich abzuarbeiten, ist die erste Kernaufgabe. Dabei spielen auch unsere Megaprojekte in Südamerika (Chile und Kolumbien) eine gewichtige Rolle. Weiters muss es darum gehen, das erreichte hohe Niveau mindestens zu halten und trotz des enormen Kostendrucks nicht weniger erfolgreich zu arbeiten.

Was ist Ihr größter Wunsch für die Strabag 2019?

Birtel: Dass wir viele junge Fachkräfte (auch weibliche) für uns begeistern und diejenigen, die schon bei uns sind, halten.

Und was Ihr größter persönlicher?

Birtel: Dass ich weiter mit meinem tollen Vorstandsteam das richtige Händchen beim Steuern des großen Strabag-Schiffs habe.