Datensicherheit, Wirklichkeit auf der Baustelle und wann wir BIM jetzt endlich haben werden

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Christoph Eichler als Diskussionsteilnehmer bei der SOLID BIM Konferenz, die heuer am 17.9. stattfindet www.solidkonferenz.at

Wenn es um Daten geht, geht es immer auch um Sicherheit. Ist das zufriedenstellend lösbar?

Eichler: Das größte Problem dabei ist, dass es am Markt Applikationen gibt, die die verwendeten Daten in irgendwelche Cloud-Lösungen überführen, ohne dass das transparent gemacht wird und ohne dass man richtig Kontrolle darüber hat. Und das ist natürlich ein riesiges Sicherheitsthema.

Wie verhindert man das?

Eichler: Das Thema Datenhoheit gewinnt in Europa zum Glück immer mehr an Bedeutung. Es wird zwar manchmal so dargestellt, als ob das industriefeindlich wäre, aber man muss das rational und faktenbasiert sehen. Man muss begreifen, dass die Informationen, die wir über Bauwerke haben, extrem wertvoll sind. Gerade für Betreiber ist es sehr wichtig zu wissen, wie oft etwas gewartet wird, wie oft es kaputt geht, welchen Verbrauch es gibt etc. Diese Daten sind so wertvoll, dass es völlig verrückt wäre, sie auf eine Cloud von irgendeinem Konzern zu legen.

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Bei meiner Arbeit am Flughafen wird sehr viel darüber nachgedacht, wie man das ganze Potenzial der permanent gesammelten Bewegungsdaten für die verschiedenen Objekte ausschöpfen kann, um seine eigenen Strategien zu optimieren. Das gleiche passiert zB auch bei den ÖBB und mittlerweile beginnt jeder professionelle Betreiber damit, weil es auch die Möglichkeiten gibt, das wirklich gut strukturiert aufzubauen.

Das Thema der Datenhoheit ist also ein Erziehungsthema?

Eichler: Es ist ein Business Case. Wenn ich den aus der Hand gebe, verliere ich unglaublich viele Möglichkeiten. Betreiber haben das immer schon viel ernster genommen als die Planer.

Und je mehr das in Verträgen ein Thema wird, desto mehr erkennen das die Leute auch. Die Planer haben ja in Wahrheit einen Einblick, über den sich die Statistik Austria freuen würde – und den können sie auch für sich nützen und Bauvorhaben in ganz frühen Phasen optimieren, was die Preise und die Qualität angeht.

Wir haben jetzt viel über die Arbeit in den Büros gesprochen. Wie sehen Sie im Verhältnis dazu die Realität auf der Baustelle?

Eichler: Da muss ich sagen, dass ich extrem positiv überrascht bin! Die Office-Park-4-Baustelle am Flughafen etwa, eine Swietelsky-Baustelle, ist von Baugeschwindigkeit, -qualität und Umgang miteinander für mich ein Paradebeispiel dafür, wie es sein soll.

Wir haben an mehreren Baustellen beim Flughafen versucht, das Monitoring mit Laserscannern zu fahren. Wir haben zum Beispiel den neuen Hubschrauberhangar des BMI so begleitet und haben gemerkt, dass die Ausführenden wirklich so genau arbeiten, dass sie mit der Präzision der Laserscanner mithalten können.

Warum ist das so?

Eichler: Zum einen, weil wir viel mehr Vorfertigung haben als früher. Und die ganze temporäre Baustellenausrüstung wie Schalungen etc. ist mittlerweile extrem professionell geworden. Und es hat auch mit guter Baustellensteuerung zu tun – also wen der Auftraggeber zur Verfügung stellt und wie er mitzieht.

Alles in allem ist es immer eine Frage der Ausbildung und Bereitschaft, oder?

Eichler: Klar. Wir kooperieren da sehr stark mit der TU Wien und wissen, dass wir uns die Mitarbeiter da richtig heranzüchten müssen – das beginnt bei Praktika in den Ferien und geht dann kontinuierlich weiter.

Das gilt jetzt für den Flughafen – und wie sehen Sie den Ausbildungsgrad generell? Es gibt ja am Markt sehr sehr viele unterschiedliche Ausbildungen und es ist gar nicht so leicht, da den Überblick zu behalten – sowohl für die Firmen als auch für die einzelnen Personen.

Eichler: Es gab ja das Forschungsprojekt BIMCert, um genau diese einheitliche Ausbildungsqualität herzustellen, weil es vor zwei Jahren eine Situation der völligen Heterogenität am Markt gab. Jeder Ausbildungsanbieter wollte was eigenes auf den Markt bringen und noch jemanden aus dem Hut zaubern – konstant waren da eigentlich nur WIFI und Überbau. Mit BIMCert wurde ab 2017 versucht, da Konsolidierung herzustellen, vor allem auch zwischen erstem und zweitem Bildungsweg, wo es bis dahin überhaupt keine Abstimmung gab. TU Wien, TU Graz, FH Salzburg, FH Kärnten und etwas später auch die Donauuniversität sind dann zusammen in ein Boot gesprungen und haben ein komplettes Ausbildungskonzept für die wesentlichen Stufen von BIM-Projekten festzulegen begonnen. Diese Arbeit kommt jetzt gerade zum Abschluss und wird dann in die Praxis gebracht. Es gab einen Piloten mit 40 Teilnehmern, der hervorragend geklappt hat und wo mit den gewonnen Erfahrungen noch viel kalibriert wurde. Und dieses Konzept bekommt ein richtiges ISO-Zertifizierungssystem dahinter, das von der BuildingSmart federführend gesteuert wird und an dem sich dann alle Seiten orientieren können. Das sollte 2021 dann im Markt sein.

Wird es jemals den Punkt geben, an dem wir sagen können: jetzt haben wir BIM?

Eichler: In den Pilotprojekten haben wir gemerkt, dass viele Firmen sehr schnell hinein kommen, aber dass die Beteiligten an den Projekten oft ganz unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was sie da eigentlich machen sollen und wo das hingeht. Bis das Ganze breit am Markt vollständig selbstverständlich von allen so gemacht wird, braucht wahrscheinlich realistisch noch einmal so knappe zehn Jahre. Andererseits wird BIM in zunehmendem Maße und mit immer höherer Geschwindigkeit immer mehr gemacht. Und es kommen einige Faktoren auf uns zu, die das Ganze aber sehr stark pushen werden. In Schweden wird man zum Beispiel ab 2022 für jedes Gebäude eine Lebenszykluskalkulation vorlegen müssen – und diese Kalkulation erfolgt auf Grundlage von Data Templates, die jetzt gerade durch die ISO 23386 spezifiziert wurden. Da geht es etwa um Baustoffe, ihren Energieeintrag und ihre Entsorgung. Was die EU mit ihrem Green Deal heuer vorgestellt hat und was ein bisschen in der Corona-Krise untergegangen ist, umfasst genau das. Und das führt dann fast zwangsläufig dazu, dass man mit BIM arbeitet.