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Baugewerkschaft fordert mehr Geld und droht mit Streiks

In Deutschland geht es jetzt hart auf hart - hier finden Sie Positionen und Argumente.

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Vor der entscheidenden Schlichtungsrunde in der deutschen Baubranche pocht die IG-BAU auf Bewegung der Arbeitgeber. "Wir erwarten, dass sie ein Angebot machen, das der guten Konjunktur und dem tarifpolitischen Umfeld entspricht", sagte Gewerkschaftschef Robert Feiger am Donnerstag im Reuters-Interview. "Wir bereiten uns natürlich auch organisatorisch auf Streiks vor."

Einen Arbeitskampf im Tarifstreit um die 800.000 Beschäftigten bevorzuge man derzeit allerdings nicht. Am Freitag setzen die Konfliktparteien unter der Führung des langjährigen Schlichters und ehemaligen deutschen Wirtschaftsministers Wolfgang Clement die Verhandlungen fort. Die erste Runde blieb am Montag ergebnislos.

Die IG Bauen-Agrar-Umwelt (BAU) fordert 6 Prozent mehr Lohn für zwölf Monate Laufzeit. Die Arbeitgeber boten nach eigenen Angaben zuletzt ein Plus von 4,2 Prozent an, bei einer Laufzeit von 22 Monaten und einer Einmalzahlung von 400 Euro. Feiger sagte, tabellenwirksam auf ein Jahr gerechnet seien dies rund 2,3 Prozent. "Das ist unter der Grasnarbe. Da kommen wir nicht zusammen." Ein weiterer Knackpunkt sei die Angleichung der Löhne. In den neuen deutschen Bundesländern seien sie nur bei 93 Prozent und müssten nach einer bestehenden Vereinbarung bis 2022 komplett an das Westniveau angepasst werden. "Wir müssen die Angleichung schaffen", mahnte Feiger. Dafür sollte man nun die konjunkturelle Lage nutzen.

Die Baubranche boomt seit Jahren, da sich wegen der niedrigen Zinsen viele private Häuslebauer den Traum der eigenen vier Wände verwirklichen. Zudem stecken immer mehr Investoren mangels attraktiver Anlagemöglichkeiten Geld in den Immobilienmarkt. Die Branchenverbände HDB und ZDB peilen für 2018 den höchsten Umsatz seit 23 Jahren an. Die Einnahmen dürften um rund 4 Prozent auf gut 117 Milliarden Euro steigen.

Diese hervorragende Lage müsse nun auch bei den Beschäftigten ankommen, forderte Feiger. "In den vielen Jahren der Baukrise haben wir verantwortungsvolle Tarifpolitik gemacht." So habe man das 13. Monatsgehalt von 100 auf 55 Prozent gekappt. Was in der Krise gesenkt worden sei, müsse nun im Boom wieder erhöht werden. Dies werde zwar nicht in einem Schritt geschehen, räumte Feiger ein. Aber man wolle die Perspektive sehen, dass es wieder nach oben gehe. "Unsere Bauleute verstehen nicht, dass sie die Sparmeister der Nation sein sollen."

Zudem plädierte der IG-BAU-Bundesvorsitzende dafür, dass die Beschäftigten für Fahrzeiten zu entfernt gelegenen Baustellen einen Ausgleich bekommen, der einen "Vergütungscharakter" habe. Eine 35-Stunden-Woche durch die Hintertür peile die Gewerkschaft dadurch allerdings nicht an.

Nach Beginn der Schlichtung am 7. Mai muss es nach 14 Tagen einen sogenannten Schiedsspruch geben. Wird dieser einstimmig angenommen, gilt dies als Tarifabschluss. Andernfalls haben beide Seiten zwei Wochen Zeit, um ihre Zustimmung zu erklären. Scheitert dies, käme es wohl zu Streiks. (APA)