Österreich

Architekten vergeben Bauherrenpreis - hier die Siegerprojekte!

Der Bauherrenpreis der Zentralvereinigung der ArchitektInnen würdigt herausragende Bauten, Freiraumgestaltungen sowie städtebauliche Lösungen der letzten drei Jahre, die sich besonders durch die intensive Zusammenarbeit zwischen BauherrInnen und ArchitektInnen auszeichnen.

Österreich Architektur

Am 15. Oktober wurden im Treibhaus Innsbruck die diesjährigen GewinnerInnen des ZV-Bauherrenpreises ausgezeichnet. Aus den insgesamt 152 Einreichungen wurden 24 Projekte nominiert. Daraus ermittelte die Hauptjury, bestehend aus Peter Riepl (Architekt, Linz), Roger Riewe (Architekt, Graz) und Angelika Schnell (Professorin Architekturtheorie und Architekturgeschichte, Wien), die sechs PreisträgerInnen des ZV-Bauherrenpreises 2021.

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Panoramalift Steyr, Oberösterreich

Bauherrschaft: Stadtbetriebe Steyr, Peter Hochgatterer Architektur: reitter architekten | Helmut Reitter, Innsbruck Tragwerksplanung: Wplus |Peter Schwarz, Steyr. Fertigstellung: 11/2019

Was am schwierigsten zu gestalten ist: Wie man von A nach B kommt, meint Rem Koolhaas in „S, M, L, XL“ Die Verantwortlichen der Stadt Steyr mögen ihm vielleicht zustimmen. Denn es scheint nur einfach: Unten der Stadtteil Steyrdorf, oben auf der Anhöhe Tabor. Man baut einen Lift, fügt noch eine Aussichtsplattform hinzu, fertig.

Dass es gut 100 Jahre gedauert hat, bis eine bequeme Verbindung geschaffen wurde, weist schon auf Komplikationen hin. Im Jahre 2017 nimmt die Stadt einen neuen Anlauf, es gibt einen Wettbewerb, den reitter architekten gewinnen, aber nicht ohne Debatten. Der Denkmalschutz will den Lift in den Fels hauen, damit die Stiegenanlage aus den 1930er bis 1950er Jahren nicht verdeckt wird. Die Stadt will den Lift vom Fels abrücken, der Architekt platziert den Lift dazwischen, halb im Fels, halb draußen, so dass eine intime Nähe zwischen bei- den entsteht, aber auch keine auftrumpfende Geste.

Bild (c) Mojo Reitter

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Panoramalift Steyr, Oberösterreich

Bauherrschaft: Stadtbetriebe Steyr, Peter Hochgatterer Architektur: reitter architekten | Helmut Reitter, Innsbruck Tragwerksplanung: Wplus |Peter Schwarz, Steyr. Fertigstellung: 11/2019

Was am schwierigsten zu gestalten ist: Wie man von A nach B kommt, meint Rem Koolhaas in „S, M, L, XL“ Die Verantwortlichen der Stadt Steyr mögen ihm vielleicht zustimmen. Denn es scheint nur einfach: Unten der Stadtteil Steyrdorf, oben auf der Anhöhe Tabor. Man baut einen Lift, fügt noch eine Aussichtsplattform hinzu, fertig.

Dass es gut 100 Jahre gedauert hat, bis eine bequeme Verbindung geschaffen wurde, weist schon auf Komplikationen hin. Im Jahre 2017 nimmt die Stadt einen neuen Anlauf, es gibt einen Wettbewerb, den reitter architekten gewinnen, aber nicht ohne Debatten. Der Denkmalschutz will den Lift in den Fels hauen, damit die Stiegenanlage aus den 1930er bis 1950er Jahren nicht verdeckt wird. Die Stadt will den Lift vom Fels abrücken, der Architekt platziert den Lift dazwischen, halb im Fels, halb draußen, so dass eine intime Nähe zwischen bei- den entsteht, aber auch keine auftrumpfende Geste.

Bild (c) Mojo Reitter

© david_boureau

Schulzentrum Gloggnitz, Niederösterreich

Bauherrschaft: Stadt Gloggnitz | Bürgermeisterin Irene Gölles Architektur: Dietmar Feichtinger Architectes Freiraumplanung: Dietmar Feichtinger Architectes Tragwerksplanung: Werkraum Wien. Fertigstellung: 08/2019

Das große neue Schulzentrum hebt programmatisch Bildung als Zukunft der Stadt hervor. Zwar war bereits zuvor das alte Schulzentrum aus Volksschule, Mittelschule und Polytechnikum, an diesem prominenten Standort, doch der Neubau umfasst nicht nur zusätzlich das Sonderpädagogische Zentrum, er ist auch kompakter, was vor allem dem quadratischen Grundriss von ca. 70 auf 70 Meter geschuldet ist.

Ein solches Volumen kann als Barriere wirken. Doch das Architekturbüro von Dietmar Feichtinger und die Bürgermeisterin, Irene Gölles, machen plausibel, wie diese gemeinsame bewusste Entscheidung genau das Gegenteil bewirken kann.

Bild (c) David Boureau

© albrecht_schnabel

Auferstehungskapelle Straß, Oberösterreich

Bauherrschaft: Kapellenverein Straß | Marianne Pachler Architektur: LP architektur | Tom Lechner. Fertigstellung: 08/2020

Die Kapelle steht auf einem leichten Abhang, was der Architekt genutzt hat, um der Kubatur des Bauwerks eine fast natürlich erscheinende Überhöhung zu geben, zugleich wirkt die vertikale Holzlattenverkleidung profan. Es ist das durchscheinende Licht in der oberen Ebene, das auf den Lichtgaden als traditionelles Kirchenelement hinweist. 

Bild (c) Albrecht Schnabel

Tiroler Steinbockzentrum

Bauherrschaft: Gemeinde St. Leonhard | Bürgermeister Elmar Haid
Architektur: ARGE Atelier Rainer Köberl | Architektin Daniela Kröss, Innsbruck Tragwerksplanung: Georg Pfenniger, Landeck. Fertigstellung: 07/2020

Anfänglich waren wohl nicht alle begeistert über den im Wettbewerb prämierten Entwurf von Rainer Köberl und Daniela Kröss für ein Steinbockzentrum, hätten sich etwas Traditionelleres gewünscht. Schließlich liegt daneben der älteste noch erhaltene Hof der Umgebung, der später in das Gesamtkonzept integriert werden soll. Doch bald konn- ten die meisten von dem skulptural wirkenden Bauwerk überzeugt werden, das man schon von weitem bei der Anfahrt ins Pitztal sieht; es thront auf einem Plateau wie ein Steinbock, der ins Tal schaut.

BIld (c) Lukas Schaller

Sigmund Freud Museum, Wien

Bauherrschaft: Direktorin Monika Pessler, Sigmund Freud Privatstiftung/Daniela Finzi, Peter Nömaier
Architektur: Atelier Hermann Czech, ARTEC Architekten, Walter Angonese. Tragwerksplanung: zt-moser, St. Pölten. Fertigstellung: 08/2020

Gestaltet im herkömmlichen Sinne ist die Architektur der wissenschaftlichen Ausstellung. Dazu zählen eigens entworfene Vitrinen sowie Schautafeln, die historische Photographien zeigen, sodass damaliger und heutiger Zustand verglichen werden können, aber frei im Raum stehen und von den nur wenig berührten Räumen von Familie und Praxis völlig getrennt sind. Dazu zählt auch die Renovierung der Gründerzeitfassade, die Einrichtung eines neuen Foyers samt Café und Museumsshop sowie noch eine Reihe anderer unsichtbarer Maßnahmen, die vor allem die Klimatisierung und Sicherheitstechnik betreffen.

Bild (c) Herta Hurnaus

VinziDorf Wien

Bauherrschaft: Vinzenzgemeinschaft Eggenberg – VinziWerke | Pfarrer Wolfgang Pucher, Graz Architektur: gaupenraub +/- | Alexander Hagner, Ulrike Schartner, Wien. Tragwerksplanung: Werkraum Ingenieure, Wien. Fertigstellung: 02/2019

Die eingesetzten Materialien sowohl für den Umbau des Haupthauses, das als Gemeinschaftsraum für sanitäre Einrichtung, Küche und Geselligkeit fungiert, als auch für die Häuser für die Bewohner sind alle sehr kostengünstig, werden aber durch die Entwurfsentscheidung aufgefangen, das „Dorf“ – sieben Minihäuser mit jeweils zwei Wohneinheiten – als dicht gedrängtes Ensemble an den Rand des Grundstückes zu schieben, so dass sich der Garten entfalten kann. Dennoch bleibt die Bebauung locker; jedes Hausmodul ist so gegenüber den anderen verschoben, dass das jeweils einzige Fenster und die jeweils einzige Tür jeder Wohnung nicht auf die eines anderen Bewohners gerichtet ist. Privatsphäre, auch wenn sie nur auf neun Quadratmeter beschränkt, ist für die ehemals Obdachlosen extrem wichtig.

Bild (c) Kurt Kuball