Jetzt steigen auch die Margenziele

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Baufirmen-Ranking SOLID 07+08/2019 Österreich

Auch Margenziele steigen

Ein Monat später sah die Welt wieder ein wenig anders aus.

Die Bauleistung der Strabag in Q1 war gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 19 Prozent auf 3,1 Mrd. Euro geklettert und die Erwartungen für das Gesamtjahr wurden nach oben geschraubt.

"Nach der deutlichen Leistungssteigerung in den ersten drei Monaten des Geschäftsjahrs gehen wir nun davon aus, dass die Leistung 2019 die bisher erwarteten 16 Mrd. Euro überschreiten wird", so Konzernchef Thomas Birtel. Die prognostizierte EBIT-Marge von "mindestens 3,3 Prozent" bleibt unverändert. "Mittelfristig soll sie aber weiter steigen - wir setzen uns das Ziel, bis 2022 ein Niveau von 4 Prozent zu erreichen", so die Vorgabe des Vorstandschefs.

Der Auftragsbestand der Strabag erhöhte sich heuer in den ersten drei Monaten um weitere 2 Prozent auf 17,9 Mrd. Euro – mit Zuwächsen in Deutschland und Tschechien und Rückgängen in Ungarn und der Slowakei hingegen verringerte sich der Orderbestand, da zahlreiche Großprojekte ausliefen.

In fünf der sechs größten europäischen Märkte - darunter auch Österreich - stieg die Bauleistung zwischen Jänner und März bereits zweistellig.

„Es braucht ein starkes Controlling“

Andere Stimmen zum Thema schlagen in eine ähnliche Kerbe: „Bei Swietelsky“, sagt der Geschäftsführer von Österreichs Nummer Drei, Karl Weidlinger, „galt die Ansage Ergebnis vor Umsatz auch schon in der Vergangenheit. Umsatzzuwachs ist zwar schön, jedoch war bei uns seit jeher die Ansicht, dass ein solcher nur bei Halten eines vernünftigen EBT-Prozentsatzes angestrebt werden soll.“ Stefan Graf, CEO der oben erwähnten Leyrer + Graf und auch in der WKÖ engagiert, spricht von einer „betriebswirtschaftlichen Selbstverständlichkeit, dass Ergebnis vor Umsatz zählt. Jede Abweichung von diesem Kurs sollte aus meiner Sicht nur aus besonderen und strategischen Gründen erfolgen, wenn man beispielsweise eine kurzfristige Wachstumsstrategie verfolgt.“

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Eine Schlüsselfunktion in diesen Wachstumszeiten hätte, so Graf, ein starkes Controlling, um das betriebswirtschaftliche Gleichgewicht halten zu können. Und er nennt die leise Zwickmühle, in der sich die Branche befindet, beim Namen: „Aktuell herrscht bekanntermaßen Höchstkonjunktur, die es zumindest erleichtert, die Umsätze zu erhöhen. Gleichzeitig stellen wir fest, dass der Anstieg der Baukosten, besonders bedingt durch Steigerungen bei Rohstoffen und bezogenen Leistungen, nicht zur Gänze über den Preis im Markt unterzubringen ist. Dadurch kommen die Ergebnisse unter Druck, umso mehr muss man sehr genau auf die Unternehmenspolitik achten, um den Kurs zu halten.“

Und stellt man die Frage einem großen Zulieferer, antwortet Wienerberger-Österreich-Geschäftsführer Mike Bucher: „Auch wenn man im täglichen Geschäft manchmal daran zweifeln mag, gehe ich davon aus, dass Sie in Österreich eine sehr einheitliche Antwort in Richtung Ergebnis erhalten. Für die Wienerberger Österreich kann ich das nur bestätigen. Sowohl Eigentümer als auch Management können sich vom Umsatz nichts kaufen.“

Die Route für die kommenden Jahre scheint also klar vorgegeben. Und wenn sich die Weltwirtschaft nicht komplett dumm anstellt, scheinen monströse Ausschläge nach oben und nach unten wie vor und durch die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 eher unwahrscheinlich.

Gute Bedingungen für unsere Branche, um den nächsten großen und notwendigen Schritt zu einer längst ausstehenden Produktivitätssteigerung zu setzen – denn dieser ist es, der das Ergebnis bei gleichbleibendem Umsatz verbessert.