Konstruktion und Sicherheit

17 Jahre seit 9/11 – können heute Türme nicht mehr einstürzen?

Hat sich etwas seit der Katastrophe am 11. September 2001, als das World Trade Center einstürzte, in der Baukonstruktion von Hochhäusern verändert? Oder wird nur darauf gehofft, dass nichts Vergleichbares je wieder passiert? Darüber und auch, warum erdbebensicher nicht explosionssicher bedeutet, lesen Sie hier.

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Wenn zwei Flugzeuge in zwei Türme krachen und diese daraufhin einstürzen, dann kann auch der beste Architekt nichts daran ändern.

Dem würden die meisten Bauingenieure nicht zustimmen. Denn mit 9/11 – das Unglück des World Trade Center jährt sich heute zum 17. Mal – setzte auch eine Welle der Veränderung im Bau ein. Nicht eine Welle, in der sofort klar war, wie Gebäude anders gebaut werden können um tausendfach sicherer zu sein; doch eine Welle des Überlegens: Können Hochhäuser komplett einsturzsicher gemacht werden?

Der 11. September 2001 stellte die Bauwissenschaft vor ein Konstruktionsproblem, das nicht gerade für viele Einstürze bekannt ist. Als das Flugzeugbenzin zu brennen begann, wurden die Stahlträger in beiden Türmen Temperaturen ausgesetzt, die nie einberechnet worden waren. Die Träger schwächelten und damit begann eine Kettenreaktion. Denn schafft Stahl nicht mehr das, wofür er hauptsächlich eingesetzt wird – nämlich Tragfähigkeit – wird die Belastung für andere Gebäudeteile sehr schnell viel zu hoch. 

https://youtu.be/X3TmHYaXvEo

Ein allmählicher Zusammenfall war die Folge – ein Umstand, der bei der Planung der Gebäudesicherheit bis dahin wenig untersucht und in Angriff genommen wurde. Totale Zusammenbrüche – dagegen wappnete man Hochhäuser. Seit gut eineinhalb Jahrzehnten spielt nun auch der progressive Zusammenbruch eine wichtige Rolle bei der Planung. 

One, World, Trade, Center, USA, Skyscraper © Pixabay

Das neue One World Trade Center an Stelle der Twin Towers - könnte heute eine Explosion den Turm nicht mehr zum Einsturz bringen?

Der Fortschritt liegt hier gleichermaßen in zwei Bereichen: Einerseits wird versucht, die Tragwerksgestaltung an die Herausforderungen durch eine Explosion anzupassen. Andererseits wird auch an den Baumaterialien selbst weitergeforscht und versucht, sie noch stabiler zu machen. 

Die Stabilität zu verbessern, ist natürlich schon seit sehr viel längerem etwas, das Baukonstrukteure beschäftigt. Doch auch starke Erdbeben bedeuten für das Gerüst eines Gebäudes etwas ganz anderes als Explosionen oder hohe Temperaturen. Letztere sind ein Faktor, der große Hoffnungen in Beton setzt, beziehungsweise in die Bemühungen, ihn noch fester zu gestalten. Denn während die Stahlträger in den Twin Towers damals sehr schnell an Tragfähigkeit verloren, verändern sich die chemischen wie physiaklischen Eigenschaften Betons auch bei großer Hitzeaussetzung nur geringfügig – Beton ist geradezu feuerfest.

https://youtu.be/Cy_so02KBA0

Das neue One World Trade Center macht genau von diesem Fakt Gebrauch. Der ganze Turm ist bis oben hin mit massiven, sehr dicken und verstärkten Betonmauern ausgestattet. Was diesem Material aber zum Verhängnis werden kann, ist der Druck, der von Explosionen ausgeht. Hier Beton noch stärker zu machen, ist eine der großen Aufgaben der Bauwelt. Denn auch wenn sich seit 9/11 viel getan hat – den absolut sicheren Turm gibt es noch nicht.

https://youtu.be/P4LX_gx0ies