Brasilien

11 Generalstaatsanwälte beraten in Brasilia über Odebrecht-Affäre

Lesen Sie, aus welchen Ländern alle kommen und was sie vorhaben.

International

Generalstaatsanwälte aus elf Ländern haben sich am Donnerstag mit der Korruptionsaffäre um den brasilianischen Baukonzern Odebrecht befasst. Das Arbeitstreffen fand hinter verschlossenen Türen in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia statt und wird am Freitag fortgesetzt.
 
Teilnehmer waren Vertreter aus Argentinien, Brasilien, Chile, der Dominikanischen Republik, Kolumbien, Ecuador, Mexiko, Panama, Peru, Portugal und Venezuela. Ebenfalls eingeladen, aber nicht anwesend, waren Vertreter aus Antigua und Barbuda, El Salvador, Guatemala und Mosambik, wie die brasilianische Staatsanwaltschaft mitteilte.
 
Die Ermittler wollen bei der Aufklärung des Bestechungsskandals enger zusammenarbeiten. Der weitverzweigte Korruptionsskandal um den Baukonzern Odebrecht erschüttert derzeit Lateinamerika. Die Ermittlungen begannen im Jahr 2014 und förderten nach und nach ein ausgeklügeltes System zur Zahlung von Schmiergeldern an Politiker, Parteien, Staatsbeamte und Manager zutage. Mit dem Geld sollen sich der Konzern und andere Baufirmen Aufträge gesichert und teils sogar eine vorteilhafte Gesetzgebung erkauft haben.
 
Der in den 40er-Jahren in Bahia gegründete Odebrecht-Konzern ist auch eines der Unternehmen, die in den Korruptionsskandal um den staatlichen Ölkonzern Petrobras in Brasilien verwickelt sind.
 
In einem internationalen Schmiergeldprozess hatten Odebrecht und seine Chemie-Tochter im Dezember in die Zahlung einer Rekordstrafe von 3,5 Milliarden Dollar (3,35 Milliarden Euro) eingewilligt. Nach Angaben des US-Justizministeriums erklärte sich der Baukonzern grundsätzlich bereit, 4,5 Milliarden Dollar zu zahlen, sah sich aber nur zur Zahlung von 2,6 Milliarden Dollar in der Lage. Die Tochterfirma Braskem übernimmt 957 Millionen Dollar.
 
Nachdem der Konzern die gegen ihn erhobenen Korruptionsvorwürfe zwei Jahre lang abgestritten hatte, knickte er schließlich unter der Last der Beweise ein. 77 Odebrecht-Manager gestanden im Gegenzug für Strafminderungen seitens der Justiz. Dazu gehört auch der ehemalige Generaldirektor des Unternehmens, Marcelo Odebrecht, der in Brasilien zu mehr als 19 Jahren Haft verurteilt wurde.
 
Bisher noch nicht publik gewordene Dokumente in der Affäre stellen für Brasilien und andere Länder eine tickende Zeitbombe dar. Verwickelt sein könnten unter anderen die Staatschefs Brasiliens und Kolumbiens, Michel Temer und Juan Manuel Santos. Der ehemalige peruanische Präsident Alejandro Toledo wird derzeit mit internationalem Haftbefehl gesucht. (APA)